Teheran. Der Iran hat im Atomstreit eingelenkt und will sein Uran jetzt im Ausland anreichern lassen. Ein entsprechendes Abkommen wurde am Montag mit der Türkei und Brasilien unterzeichnet, sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast in Teheran.
Dort hatten am Morgen der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der brasilianische Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva und der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan ihren Dreiergipfel fortgesetzt, der international als "letzte Chance" Teherans gilt, neue drohende Sanktionen zu verhindern. Die Vereinbarung zeige, dass der Iran an "Verständnis und Kooperation anstatt an Konfrontation mit der internationalen Gemeinschaft" interessiert sei, betonte Mehmanparast.
Ahmadinedschad forderte die baldige Wiederaufnahme der Atomgespräche mit der Sechsergruppe - die fünf Mitglieder des Sicherheitsrates plus Deutschland. "Jetzt haben sie keine Ausrede mehr", sagte er. "Die Zeit ist reif für die Sechsergruppe, die Gespräche auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt wieder aufzunehmen." Irans oberster Atom-Unterhändler Ali-Akbar Salehi forderte ebenfalls eine Fortsetzung der Atomgespräche. "Der Iran hat seinen guten Willen gezeigt, jetzt sind die Weltmächte an der Reihe, ihren guten Willen zu zeigen", sagte er.
"Es wurde ein Abkommen mit der Türkei und Brasilien unterzeichnet, nach dem 1200 Kilogramm niedrig angereichertes Uran aus dem Iran so lange auf türkischem Gebiet aufbewahrt werden, bis der Brennstoff für den (medizinischen) Reaktor in Teheran eintrifft", umriss der Sprecher den Kern der Vereinbarung. Die iranische Führung werde die internationale Atombehörde IAEA darüber informieren. Sollte mit der IAEA sowie mit Frankreich, Russland und der USA eine Einigung erzielt werden, könne das niedrig angereicherte Uran "innerhalb eines Monats" in die Türkei gebracht werden. Bisher hatte der Iran darauf beharrt, das Uran auf seinem Gebiet auszutauschen.
Kernpunkt der Unterredungen des Dreiergipfels in Teheran war ein bekannter Vorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, wonach der Iran sein Uran im Ausland anreichern lassen soll. Dadurch sollen Bedenken der USA und ihrer Verbündeten über das iranische Nuklearprogramm ausgeräumt werden. Sie verdächtigen Teheran, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten und fordern mehr Transparenz.
Die Bundesregierung hat betont zurückhaltend auf die Berichte über eine Vereinbarung im Atomstreit mit Iran reagiert. Man habe bislang noch keine genaue Kenntnis über das mit der Türkei und Brasilien in Teheran geschlossene Abkommen, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin. Wichtig für Deutschland bleibe, dass Teheran die Forderungen der Vereinten Nationen und der Internationale Atomenergiebehörde IAEA erfülle. "Springender Punkt" dabei sei, ob der Iran die Urananreicherung im Land selbst suspendiere. (dpa)
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