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Iran und die arabischen Staaten: Angst vor Demokratie geht um

Die Proteste im Iran sind ein Albtraum für arabische Herrscher. Während die Politik schweigt, diskutieren die Menschen in den umliegenden Staaten. Ist der Dominoeffekt möglich? Von Martin Gehlen

Ausgaben von Kalemeh Sabz (Grünes Wort), der iranischen Zeitung, die Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mussawi gehört.
Ausgaben von Kalemeh Sabz ("Grünes Wort"), der iranischen Zeitung, die Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mussawi gehört.
Foto: afp

Kairo. Die Herrscher in der arabischen Welt schweigen, das Volk debattiert. Für die meisten arabischen Satellitenkanäle ist der Iran seit Tagen Thema Nummer eins. Auf den Straßen wird lebhaft diskutiert, Blogger kommentieren fasziniert den Mut der iranischen Bevölkerung. "Wann werden die Araber folgen", fragt sich ein ägyptischer Blogger, der unter dem Namen "Louza" schreibt.

Der Fernsehsender Al Arabija aus Dubai war der erste ausländische Kanal, dessen Büro in Teheran die iranischen Behörden "wegen unfairer Berichterstattung" schlossen - Tage, bevor sie den Korrespondenten von BBC Farsi hinauswarfen.

Mutig. Ein Mädchen bei einer Demonstration in Los Angeles.
Mutig. Ein Mädchen bei einer Demonstration in Los Angeles.
Foto: afp

Anders die Politiker. Ägyptens Präsident Husni Mubarak verlor bislang kein Wort. Jordaniens Monarch ging in Deckung, Saudi-Arabiens Königshaus schweigt. Die kleineren Golfstaaten senden vorsichtige Signale, auch wenn sich der Iran wegen seiner undurchsichtigen Atompolitik und seiner Unterstützung für Hisbollah und Hamas viele Gegner gemacht hat.

"Wir glauben, dass eine Einmischung - egal von wem - in die inneren Angelegenheiten des Iran nicht akzeptabel ist", erklärte der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Abdullah al Nahyan, und fügte hinzu: "Alle Länder im Nahen Osten sitzen im selben Boot. Niemand hat ein Interesse daran, Opfer von Instabilität zu werden."

"Wo ist meine Stimme"

Die meisten arabischen Potentaten haben Angst, der demokratische Virus könne auf die eigene Bevölkerung überspringen. Hunderttausende Menschen in den Straßen mit Plakaten "Wo ist meine Stimme" wie in Teheran - für die autoritären Könige und Präsidenten ein Albtraum. Syrien und Ägypten kennen nur abgekartete Pseudowahlen, Saudi-Arabien hat noch nie ein Parlament gewählt.

Nur in Irak, Kuwait und Libanon gab es in letzter Zeit Wahlen. Die Zeitungen im Libanon liegen denn auch beim Thema Iran vorne: Sonderseiten, Fotostrecken und starke Kommentare bringen die Blätter, die der pro-westlichen Bewegung nahe stehen.

Ein ähnlich differenziertes Bild vermittelten die angesehenen panarabischen Zeitungen Al Sharq Al Awsat, Al Hayat und Al Quds Al Arabi, die in London erscheinen. Seit Tagen beherrscht der Machtkampf im Iran ihre Kommentarspalten. Die Proteste hätten dem Iran "seine Maske der Demokratie" heruntergerissen, urteilt Tariq Alhom, Chefredakteur von Al Sharq Al Awsat. Das Regime habe "keine Chance mehr, sein Ansehen und sein Gesicht zu retten".

Ägyptische und saudische Blätter beschränken sich auf tägliche Agenturmeldungen. Die Zeitungen in Syrien, dem einzigen arabischen Verbündeten Teherans, ignorieren die Auseinandersetzungen. Mal druckt das Regierungsblatt Al Watan auf Seite Eins ein Interview mit dem griechischen Präsidenten. Mal erfahren die Leser, Staatschef Bashar al Assad wolle Kaspisches, Rotes, Schwarzes und Mittelmeer wirtschaftlich enger verzahnen. Mir Hossein Mussawi ist für Syrien nur der "unterlegene Kandidat".

Autor:  MARTIN GEHLEN
Datum:  24 | 6 | 2009
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