Muslime im Streit: Dieses Signal geht von der letzten Sitzung der Deutschen Islam-Konferenz (DIK) am Donnerstag in Berlin aus. Die muslimischen Teilnehmer konnten sich nicht auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen. Übereinstimmend urteilten immerhin die meisten, mit der Islam-Konferenz sei einer "neuen gesellschaftlichen Realität Rechnung getragen worden, nämlich dass wir Muslime ein Teil Deutschlands sind". Die Vertreter der Aleviten verabschiedeten eine eigene wortgleiche Erklärung, um zu betonen, dass ihre Zugehörigkeit zum Islam umstritten ist.
Dissens herrschte in der Arbeitsgruppe, die sich mit der deutschen Gesellschaftsordnung befasste, über die Rolle muslimischer Verbände bei der Integration. Die nicht-organisierten Muslime kritisierten, die Verbände förderten eher die Abschottung als die Integration. Der Islamrat unterzeichnete die Stellungnahme der Muslime nicht und kritisierte die "zumeist fruchtlosen Debatten" in der Konferenz. Der Zentralrat der Muslime wiederum zog nicht mit bei der Verurteilung der Staatsrepression im Iran.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zieht dennoch eine positive Bilanz und macht sich dafür stark, den Dialog nach der Wahl fortzuführen. Er räumte ein, dass es viel Dissens gegeben habe. Auch Themen wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau seien "noch nicht in der gebührlichen Tiefe" behandelt worden. Die DIK habe aber "das Verhältnis von Staat und Muslimen in Deutschland grundlegend verändert". Er lobte, dass die Islamverbände keine religiöse Sondergerichtsbarkeit anstreben.
Getrennter Sport-Unterricht
Die DIK beschloss Empfehlungen für Schulen, mit denen Konflikte um das Kopftuch oder die Teilnahme muslimischer Mädchen an Schwimmstunden beigelegt werden sollen. Demnach könne das Tragen von Kopftüchern nicht untersagt werden, sei aber zumindest vor der Pubertät religiös nicht geboten. Bei Konflikten über die Teilnahme an Sport und Schwimmen wird nach Geschlechtern getrennter Unterricht empfohlen. In den Schlussfolgerungen forderten die muslimischen Teilnehmer gezieltere Hilfen für stark von muslimischen Kindern besuchte Schulen, etwa durch Lehrkräfte muslimischer Herkunft.
Flächendeckenden islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen wird es vorerst nicht geben. Erst müssen die Muslime laut Innenminister klären, ob sie die organisatorischen Voraussetzungen für eine Glaubensgemeinschaft schaffen wollen. Bis dahin sei ein neutraler Religionskunde-Unterricht sinnvoll. Ohnehin gibt es kaum Hochschullehrstühle zur Ausbildung islamischer Religionslehrer. Die Strukturen müssten "zeitnah geschaffen werden", fordern die Schlussfolgerungen. Eine "akademische Verankerung islamischer Theologie" sei auch "wegen der integrativen Wirkung einer in der Mitte der deutschen Gesellschaft verorteten islamischen Theologie" wichtig.
Offen ist, wie es weitergeht. Die türkischstämmige Islamkritikerin Necla Kelek setzt sich für den Ausschluss der Muslimverbände ein. Ali Kizilkaya vom Islamrat Deutschland ließ auf FR-Nachfrage offen, ob der Islamrat dabei bleibt. "Erklärte Islamfeinde" wie Kelek hätten in der Runde nichts zu suchen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bremens Ressortchef Ulrich Mäurer (SPD), forderte, die Mehrheit der nichtorganisierten Muslime verstärkt anzusprechen. mit Agenturen
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