Die französische Satire-Wochenzeitung Charlie Hebdo hatte für diesen Mittwoch das Erscheinen einer Ausgabe angekündigt, die sich satirisch und kritisch mit dem Islam auseinandersetzt. In der Nacht vor dem Erscheinen wurden die Redaktionsräume der Zeitung durch einen Brandanschlag teilweise zerstört.
Wie französische Medien am Mittwoch berichteten, waren die Räumlichkeiten gegen ein Uhr in der Nacht durch Molotow-Cocktails in Brand gesetzt worden. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. In der vorher gegangenen Nacht sei bereits der Internetauftritt der Wochenzeitung von islamischen Aktivisten gekapert worden.
Das gute Abschneiden der Islamisten bei den Wahlen in Tunesien hatte die Redakteure zu der Sonderausgabe mit dem Titel „Charia Hebdo“ inspiriert. Charia (Scharia) heißt die Gesetzessammlung in islamischen Ländern, die in westlichen Ländern zumeist auf die drakonischen Strafen für Ehebruch oder Glaubensabfall reduziert werden.
Der Herausgeber und Karikaturist mit dem Künstlernamen Charb hat keinen Zweifel an dem Zusammenhang zwischen Brand und islamkritischer Ausgabe. Man werde alles tun, damit das Blatt doch erscheine, sagte Charb in einem Interview. Die Redaktion kommt zunächst bei der Tageszeitung Libération unter.
Premier François Fillon, Innenminister Claude Guéant und Kulturminister Frédéric Mitterrand. verurteilten den Anschlag. Der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Sozialisten, François Hollande, forderte mehr Engagement für Pressefreiheit und gegen Fundamentalismus.
Auch der Präsident des französischen Islamrates, Mohammed Moussaoui, distanzierte sich – mit dem Zusatz, wenn es sich um einen Anschlag handeln sollte. Er erinnerte an die Karikaturen von dem Prophet Mohammed, die 2005 in der dänischen Zeitung Jyllands Posten erschienen waren und zu Protesten und Anschlägen auf westliche Botschaften in der arabischen Welt führten.
In sozialen Netzwerken war dem Wochenblatt Provokation vorgeworfen worden. Das Titelblatt zeigt eine Propheten-Karikatur mit der Sprechblase: „100 Stockschläge, wenn Sie sich nicht totlachen.“ Rückseitig ist Mohammed mit einer roten Clownsnase und dem Text zu sehen: „Der Islam ist mit Humor vereinbar.“
Charlie Hebdo stand 2006 wegen des Nachdrucks von drei Karikaturen aus der Jyllands Posten vor Gericht. Die Zeitung gewann den Streit ebenso wie 2010 den mit einer konservativen katholischen Organisation. Diese hatte geklagt, weil das Jesuswort „Lasset die Kinder zu mir kommen“ in einen Missbrauchskontext gerückt worden sei. (KNA)
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