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Islamkonferenz: Verbände erwägen Boykott

Die zweite Runde der Deutschen Islamkonferenz gerät ins Wanken. Muslimische Verbände wollen die Einladung zur ausschlagen. Sie fühlen sich zu wenig repräsentiert in dem Gremium. Auf der Tagesordnung fehlt ihnen das Kopftuchverbot. Von Steven Geyer

Eine türkische Frau schreibt  im Schulungsraum der interkulturellen Frauenbegegnungsstätte verikom in Hamburg-Wilhelmsburg.
Eine türkische Frau schreibt im Schulungsraum der interkulturellen Frauenbegegnungsstätte "verikom" in Hamburg-Wilhelmsburg.
Foto: dpa

Berlin. Die zweite Runde der Deutschen Islamkonferenz gerät ins Wanken. Die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) eingeladenen muslimischen Verbände erwägen, die Einladung auszuschlagen.

Nach ersten Vorgesprächen im Ministerium am Montag sei "völlig offen, ob und in welcher Form die islamischen Dachorganisationen teilnehmen", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, der FR. "Wir müssen über alles erst einmal intern diskutieren: über Themen, Ziele und auch die Zusammensetzung des Plenums." Die vier eingeladen religiösen Vereine fühlten sich "gegenüber zehn allein durch das Innenministerium legitimierten Einzelpersonen eindeutig unterrepräsentiert", so Köhler. Auch fehle auf der Tagesordnung die wichtige Frage der wachsenden Islamophobie und Diskriminierung, wozu auch deutsche Kopftuchverbote zählten. Vertreter des Zentralrats, der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), des Verbands Islamischer Kulturzentren und der Alevitischen Gemeinde erörtern, "ob sie bei der Islamkonferenz fehl am Platz seien".

Teilnehmern zufolge haben auch Mitglieder des Islamrats für Deutschland an den Treffen teilgenommen und die anderen Verbände zur Solidarität aufgefordert. Hintergrund ist die Entscheidung des Innenministers, den Islamrat, der in der ersten Runde im Plenum saß, wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen viele seiner Mitglieder vorerst auszuschließen. Da die fünf Verbandsteilnehmer der ersten Islamkonferenz 2007 einen "Koordinationsrat der Muslime" gebildet hatten, müssen sich die anderen vier nun dazu verhalten.

Zwar habe man in "respektvoller Atmosphäre" die eigenen Vorstellungen "konstruktiv einbringen können", sagte der turnusmäßige KRM-Sprecher, der Ditib-Beauftragte Bekir Alboga, nach dem Gespräch im Ministerium. Über die künftige Teilnahme wolle man sich aber erst am Freitag äußern.

Damit ist die Fortsetzung der Islamkonferenz offen, da ihren Beschlüssen ohne Verbandsvertreter die Legitimation fehlen würde. Das Ministerium reagierte dennoch gelassen. "Die eingeladenen Verbände haben die Neuausrichtung der Islamkonferenz mit Zustimmung aufgenommen", sagte eine Sprecherin der FR. "Darin sehen wir eine gute Grundlage für die Fortsetzung."

Autor:  Steven Geyer
Datum:  9 | 3 | 2010
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