Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Politik
Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

29. Juli 2014

Israel bombardiert 150 Ziele: Massive Angriffe auf Gaza

Schwere Schäden richten die Kämpfe im Gaza-Streifen an.  Foto: AFP

Von Waffenruhe keine Spur: Israel verstärkt seine Angriffe im Gazastreifen. Gaza erlebte eine der schwersten Bombennächte. Auch in Israel durchleben Menschen täglich Angst und Schrecken.

Drucken per Mail

Die israelische Armee hat nach dem Tod von zehn weiteren Soldaten ihre Angriffe im Gazastreifen deutlich verstärkt. In der Nacht zum Dienstag wurden nach Medienberichten rund 150 Ziele in dem Palästinensergebiet massiv bombardiert. Palästinensische Augenzeugen berichteten von Beschuss mit Artillerie, von Kriegsschiffen und aus der Luft. Sie sprachen von den bisher schwersten Angriffen seit Beginn der israelischen Offensive vor drei Wochen und einer Nacht «voller Horror, Angst und Panik».

In der israelischen Mittelmeermetropole Tel Aviv heulten zum ersten Mal mitten in der Nacht die Alarmsirenen und rissen die Einwohner aus dem Schlaf. Zwei Raketen seien nahe Rischon Lezion südöstlich von Tel Aviv eingeschlagen, teilte die Armee mit.

Bei nächtlichen Angriffen der israelischen Armee ist nach palästinensischen Angaben auch das einzige Kraftwerk im Gazastreifen getroffen worden. Die Anlage sei außer Betrieb, sagte ein Vertreter der Energiebehörde des Gazastreifens am Dienstag. Demnach wurde bei den Angriffen der Dampfgenerator des Kraftwerks beschädigt und die Treibstofftanks fingen Feuer.

Die Anlage versorgt etwa ein Drittel der Haushalte im Gazastreifen mit Strom. Es war in der Vergangenheit immer wieder gedrosselt oder ganz abgeschaltet worden, weil sich die Einfuhr von Treibstoff als schwierig gestaltete.

Am Dienstag sollte eine hochrangige palästinensische Delegation in Ägypten über eine Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern beraten.

Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind seit dem 8. Juli mehr als 1100 Menschen getötet und mehr als 6500 verletzt worden. Die meisten der Opfer seien Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, teilten die Rettungskräfte mit.

Nach Angaben des israelischen Militärs vom frühen Dienstagmorgen starben bisher 53 israelische Soldaten. Drei Zivilisten kamen bei Angriffen militanter Palästinenser ums Leben.


Die politischen Analysen und Kommentare der FR -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Israel will Offensive fortsetzen

Ungeachtet aller internationalen Appelle für eine Waffenruhe hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Fortsetzung der Militäroffensive gegen die Hamas im Gazastreifen angekündigt. «Wir werden den Einsatz nicht beenden, bevor wir die Tunnel (der Hamas) zerstört haben», erklärte er am Montag in einer Fernsehansprache.

Bei einem der folgenden Raketenangriffe auf Gaza wurde nach palästinensischen Angaben auch das Haus des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija getroffen. Hanija wurde 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Weder Hanija noch seine Familie seien zu Hause gewesen, berichtete der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa. Am frühen Morgen wurde auch das Gebäude des Senders bombardiert.

Im zentralen und südlichen Gazastreifen wurden am frühen Dienstag nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen getötet. 50 seien verletzt worden, berichteten Sanitäter und Augenzeugen.

Die israelische Armee hatte die Einwohner in Teilen des Gazastreifens am Montagabend aufgefordert, ihre Häuser sofort zu räumen und sich in das Zentrum von Gaza zu begeben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte in diesem Zusammenhang, die in Gaza arbeitenden UN-Organisationen hätten nicht die Ressourcen einen zusätzlichen riesigen Zustrom verzweifelter Menschen zu bewältigen oder ihnen Hilfe zu gewähren.

Am Montag und in der Nacht zum Dienstag wurden bei Kämpfen insgesamt zehn Soldaten getötet, wie die Armee mitteilte. Fünf seien nahe Nachal Os bei einem Gefecht mit militanten Palästinensern ums Leben gekommen, die durch einen Tunnel auf israelisches Gebiet vordrangen. Dabei sei auch der Versuch einer Entführung vereitelt worden, meldete der israelische Rundfunk. Vier weitere Soldaten wurden bei einem Mörsergranatenangriff getötet. Ein weiterer starb, als sein Bulldozer von einer Panzerabwehrrakete getroffen wurde.

Die Vereinten Nationen forderten eine sofortige, bedingungslose und humanitäre Waffenruhe. Zugleich äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatschef François Hollande, der britische Premier David Cameron und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi in einer Telefonkonferenz besorgt über das Risiko einer weiteren Eskalation. Auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte eine «sofortige und bedingungslose humanitäre Waffenruhe» zwischen Israel und der Hamas gefordert.

Die USA reagierten unterdessen verstimmt auf israelische Kritik an den Bemühungen von US-Außenminister John Kerry, eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt zu vermitteln. In Washington sprach Außenamtssprecherin Jen Psaki verärgert von einer bewussten Desinformationskampagne aus Israel. «Aus unserer Sicht ist das einfach nicht die Art, wie Partner und Verbündete miteinander umgehen», sagte Psaki am Montag bei einer täglichen Pressekonferenz mit Journalisten. (dpa/afp)

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

US-Wahl

Washington wird künftig mehr verlangen

Von  |
Nach der ersten Redeschlacht hat Hilary Clinton den Vorteil auf ihrer Seite.

Clinton hat das TV-Duell, aber nicht die Wahl für sich entschieden. Sie wäre für Deutschland und die anderen EU-Staaten der bessere Partner. Die US-Politik wird sich ohnehin ändern. Der Leitartikel. Mehr...

Fall Jenna Behrends

Überfällige Sexismus-Debatte in der CDU

Der Berliner CDU-Landesparteichef Frank Henkel weiß, wie er mit seinen Parteikolleginnen umzugehen hat.

Sexismus ist nichts, was die Berliner CDU exklusiv für sich beansprucht. Er findet sich in Parteien, Unternehmen und Verbänden. Eine breite Debatte darüber ist lange überfällig. Der Leitartikel. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung