Erstmals seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ist am Freitag im Großraum Jerusalem eine Rakete eingeschlagen. Wie die israelische Armee mitteilte, schlug das Geschoss auf unbewohntem Gelände ein. Zuvor hatte der bewaffnete Arm der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas erklärt, es sei ein Ziel in Jerusalem beschossen worden.
Am Donnerstag waren erstmals seit zwei Jahrzehnten Raketen im Großraum Tel Aviv eingeschlagen, die nach palästinensischen Angaben durch den bewaffneten Arm des Islamischen Dschihad abgefeuert worden waren. Dabei wurde niemand verletzt.
Am Freitag schlug eine Rakete rund 200 Meter vor der Küste Tel Avivs im Meer ein. Israel geht seit Mittwoch mit massiven Luftangriffen gegen Raketenstellungen radikaler Palästinenser im Gazastreifen vor. (afp)
Für die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten macht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die im Gazastreifen regierende militante Palästinenserorganisation Hamas verantwortlich. Die Kanzlerin betrachte die Entwicklung mit großer Sorge, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. Verantwortlich für die zugespitzte Lage in der Region sei die Hamas. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen, unter denen die Zivilbevölkerung in Israel leide. Der Beschuss Israels müsse sofort eingestellt werden.
Israel habe das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung in angemessener Weise zu schützen, fügte Streiter hinzu. Keine Stellungnahme wollte er zu der Frage abgeben, ob dazu auch ein Einmarsch israelischer Truppen in den Gazastreifen gehöre. An Ägypten appellierte Merkel, ihren Einfluss auf die Hamas geltend zu machen, um den Beschuss auf Israel zu beenden.
Israel hat nach dem Beginn der Offensive gegen militante Palästinenser im Gazastreifen «Säule der Verteidigung» mit einer Bodenoffensive gedroht. Foto: Jim Hollander
Zuvor war der erhoffte Waffenstillstand geplatzt. Die israelische Luftwaffe bombardierte nach palästinensischen Angaben den Norden des Gaza-Streifens, obwohl der ägyptischen Regierungschef Hischam Kandil zu dieser Zeit vor Ort war. Kandil beendete seinen Besuch vorzeitig
Bei dem Angriff auf eine Gruppe von Zivilisten in der Region Nasila seien zwei Palästinenser getötet worden, hieß es am Freitagmorgen aus palästinensischen Sicherheitskreisen. Zuvor hatte Israel der radikalislamischen Hamas vorgeworfen, den geplanten Waffenstillstand während des Kandil-Besuchs verletzt zu haben.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Eskalation hat die israelische Armee damit begonnen, 16.000 Reservisten einzuberufen. Dies teilte das Militär am Freitag mit. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte der Armee zuvor grünes Licht gegeben, bis zu 30.000 Reservisten einzuberufen. Das macht eine Bodenoffensive möglich.
Die israelische Luftwaffe fliegt seit einigen Tagen heftige Angriffe auf Ziele im Gazastreifen. Der Nachrichtensender Al-Dschasira und der US-Sender CNN zeigten am frühen Morgen Live-Bilder von Gaza-Stadt und berichteten, die Bombardierung hätte an Intensität zugenommen. Korrespondenten des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija sprachen von massiven nächtlichen Luftangriffen.
Militante Palästinenser feuerten auch in der Nacht zum Freitag Raketen auf Israel ab. Nach israelischen Medienberichten wurde niemand verletzt. Mehr als 420 Raketen von militanten Palästinensern seien in den vergangenen zwei Tagen in Israel aufgeschlagen, teilte das israelische Militär über Twitter mit.
Bei einem israelischen Luftangriff auf den nördlichen Gazastreifen starben am Donnerstagabend nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan drei Palästinenser. Die Zahl der Todesopfer der israelischen Luftangriffe unter den Palästinensern habe sich damit auf 19 erhöht, hieß es unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sehr besorgt über die Lage gezeigt, teilten die Vereinten Nationen mit. Er verurteilte die palästinensischen Raketenangriffe und forderte Israel zur Zurückhaltung auf. Ban telefonierte zudem mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi und sicherte ihm für seine Bemühungen um eine Deeskalation der Lage in der Region seine Unterstützung zu.
Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie hätten über dem Gazastreifen Flugblätter abgeworfen. Darin werde die Bevölkerung aufgefordert, sich von der radikal-islamischen Hamas und anderen Terrororganisationen fernzuhalten.
Der erneute Gewaltausbruch hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden.
Die israelische Armee griff in der Nacht aus der Luft und vom Meer aus den Gaza-Streifen an. Foto: Mohammed Saber
Die radikalislamische Hamas kündigte an, weitere Fadschr 5 - Raketen aus iranischer Produktion auf Israel abzufeuern. Die Geschosse verfügen über eine Reichweite von 75 Kilometern und könnten somit die Metropole Tel Aviv treffen. Die israelischen Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Hamas seit der bislang letzten Bodenoffensive im Gazastreifen vor vier Jahren massiv aufgerüstet hat und über etwa 12.000 Raketen verfügt. „Innerhalb von vier Jahren sind wir stärker geworden, wir verfügen über eine Strategie und haben uns mit allen militanten Kräften im Gazastreifen zusammen getan“, sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum. (dpa/dapd/rtr/afp)
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