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24. Januar 2013

Israel: Jair Lapid - antireligiös, liberal, charmant

 Von Inge Günther
Jair Lapid plädiert für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten.  Foto: dpa/Atef Safadi

Der ehemalige Fernsehmoderator Jair Lapid ist der neue Politstar in Israel. Seine Zukunftspartei wird die zweitstärkste politische Partei im Land.

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Fernsehstar war er schon früher. Jetzt ist Jair Lapid der neue Politstar in Israel. Jenseits der Aufmerksamkeit der Medien gelang dem Mann ein steiler Höhenflug. Als er vor einem Jahr, am 8. Januar 2012, ankündigte, er lege seinen Job als Anchorman des populärsten Nachrichtenmagazins im Zweiten Kanal nieder, um in die Politik zu gehen, hatte der 49-Jährige damit zwar für Schlagzeilen gesorgt. Aber sein Schritt schien ein wenig vorschnell, da Neuwahlen im Frühjahr 2012 noch nicht in Sicht warten. Jair Lapid hatte es trotzdem eilig und präsentierte alsbald die Zentrumspartei Jesch Atid (Es gibt eine Zukunft) mit bekannten Figuren aus dem liberalen israelischen Mainstream. Jetzt zieht Jesch Atid mit 19 Sitzen als zweitstärkste Fraktion in die Knesset ein.

Den ungeahnten Erfolg verdankt Lapid nicht zuletzt dem Umstand, dass er das selbstbewusste, charmante Gegenstück zu dem dynamischen Ultranationalisten und Hightech-Millionär Naftali Bennett verkörpert. Lapid ist säkular, scheut sich nicht, religiöse Privilegien zu kritisieren und vertritt ansonsten recht gemäßigte Ansichten. Eben das, was in Tel Aviv und anderen städtischen Ballungsgebieten als mehrheitsfähig gilt. Seine Zukunftspartei gilt als am wenigsten radikal unter den vielen Kandidaten und Listen. Diese Geschmeidigkeit macht ihn nun zum Wunschpartner von Benjamin Netanjahu.

Im Konflikt mit den Palästinensern ist Lapid für eine Zwei-Staaten-Lösung, aber ohne den Ostteil Jerusalems abgeben zu wollen. Er will die Haredim, die in Israel fast zeitlebens Bibelstudien betreiben und dafür staatliche Sozialhilfe kassieren, in den Militärdienst und den Arbeitsmarkt integrieren. Außerdem fordert er ein großes Wohnungsbauprogramm.

Das alles bringt Lapid mit Verve und Wärme rüber. Jair Lapid ist ein Allround-Talent. Neben der TV-Moderation war er Kolumnist bei der Zeitung Yedioth Achronoth, hat Theaterstücke und Bestseller verfasst und auch schon als Schauspieler agiert. Als Sohn von Tommy Lapid, einem aus Ungarn stammenden Holocaust-Überlebenden, der selber als Journalist später in die Politik ging, sowie der Autorin und Theaterfrau Schulamit Lapid wurde ihm einiges davon in die Wiege gelegt.

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