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Politik
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05. Februar 2009

Israel: Jetzt erst recht, Herr Lieberman

 Von INGE GÜNTHER
Zwischen den Welten: ein arabisches Mädchen aus Israel bei einer Demonstration gegen den israelischen Krieg in Gaza.  Foto: afp

Die Hasskampagne des israelischen Rechtsextremen Avigdor Lieberman mobilisiert arabische Wähler für die Gegenseite. Von Inge Günther

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TAIBEH. Die Altmännerrunde, die auf einer Café-Terrasse in Taibeh die Mittagssonne genießt, ist sich einig. Für sie kommen bei den israelischen Wahlen am nächsten Dienstag nur arabische Listen in Frage. Von denen gibt es drei, welche er wählt, ist für Abdullah Mansour, einen 76-jährigen Rentner, weniger wichtig. "Hauptsache, diejenigen, die uns in der Knesset vertreten, sind Araber wie wir."

Von der zionistischen Linken, etwa den Genossen aus der der Arbeitspartei, hält Mansour nichts mehr. "Nicht nach dem Krieg in Gaza." Aber vor allem macht ihm und den anderen am Tisch Avigdor Lieberman Angst. Der Rechtspopulist steuert mit seiner Partei Yisrael Beitenu (Israel ist unser Heim) auf einen sensationellen Erfolg zu, in dem er die unter jüdischen Israelis vorhandenen Ressentiments gegen die arabische Minderheit schürt. Als besonders zündend hat sich seine Idee entpuppt, von den Arabern, immerhin ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, einen Loyalitätstest zu verlangen. Wer sich nicht zum jüdischen Staat bekennt, zur Nationalhymne und der Fahne mit dem Davidsstern, riskiert demnach seinen israelischen Pass. "Keine Loyalität, keine Staatsbürgerschaft", lautet sein Wahlkampfslogan.

"Wir kommen uns vor wie Fremde im eigenen Land", sagt Fathi Abedwaheb (65). Besorgt ist auch Musa Masarwa, eine Respektperson in Taibeh. Er hat gemeinsame Ferienprogramme für jüdische und arabische Kinder organisiert. Aber das Bemühen um Koexistenz werde immer schwieriger. "Mit ihrem Gerede machen ein paar Politiker alles kaputt."

Masarwa rechnet nicht allein Lieberman dazu. Auch Außenministerin Zipi Livni, die für eine Zwei-Staaten-Lösung eintritt, hat für Verunsicherung unter arabischen Israelis gesorgt. Die Araber in Israel sollten ihre nationalen Ziele anderswo verfolgen, sprich: in einem Staat Palästina ausleben.

Von Bevölkerungstransfer hat Livni nichts gesagt. Selbst der strammrechte Liebermann vermeidet solche Begriffe. Nach seinem Konzept sollen arabische Israelis aber mitsamt dem Land, auf dem sie leben, ausgegrenzt werden. Im Gegenzug will er jüdische Siedlungen in der Westbank annektieren.

Unverhüllt mobilisiert Lieberman den Hass auf Araber, der nicht nur unter russischen Einwanderern, sondern ebenso unter orientalischen Juden weit verbreitet ist. Entsprechend alarmiert reagiert die nichtjüdische Minderheit. In Taibeh, wie überall, wo arabische Israelis leben. Eigentlich wollten sie die Wahlen aus Protest gegen den Gaza-Krieg boykottieren. Jetzt erwidert jeder, den man fragt, man müsse Lieberman etwas entgegensetzen.

"Bei uns daheim gibt es nur noch das Thema", sagt Masarwa, eine junge Kleiderverkäuferin. Auch sie will ihre Stimme einer arabischen Partei geben. Achmed Tibi, Knesset-Abgeordneter aus Taibeh und Zugpferd der Vereinigten Arabischen Liste (UAL), vernimmt es mit Wohlgefallen. Ungewollt hat ihm Lieberman Wahlkampfhilfe beschert, sein Intimfeind aus Parlamentsdebatten, den er "die israelische Ausgabe eines Jörg Haider oder eines Jean-Marie Le Pen" nennt.


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Nicht von ungefähr flimmert Liebermans bulliges Konterfei über Tibis Computer, versehen mit einem hinzugedichteten Aufruf zum Wahlboykott. Das, hofft Tibi und tippt grinsend auf den Bildschirm in seinem Büro, "wird das arabische Votum herausfordern". Hinzu kommt: Seit dem Gaza-Krieg ist es arabischen Israels peinlich, als Anhänger von Labour, Meretz oder Kadima zu gelten.

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