Jerusalem. In New York hatte Benjamin Netanjahu seine große Woche. Vermutlich die beste seit Beginn seiner zweiten Amtszeit als Premier, attestieren israelische Medien. "Krönender Abschluss" war seine pointierte, mit Polemiken gespickte Rede vor der UN-Vollversammlung am Donnerstag. Eine gezielte Attacke gegen den Iran, den "Sponsor und Praktiker des Terrors". Nicht allein im Westen dürften viele Netanjahu recht geben, wenn der "die Hochzeit zwischen religiösem Fundamentalismus und Massenvernichtungswaffen" als größte Bedrohung bezeichnet.
Der Premier hat das verbunden mit einer moralischen Standpauke, adressiert an alle jene, die den jüdischen Staat seiner Ansicht nach im Stich ließen oder ungerechtfertigt kritisierten. Voran die Goldstone-Kommission, die Israel Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg vorwirft. Parallelen zum Zweiten Weltkrieg, die Netanjahu dabei bemühte, irritierten allerdings - auch in Israel. So störte sich der Historiker Tom Segev an Netanjahus Unterfangen, mit dem Bombardement deutscher Städte das israelische Vorgehen in Gaza legitimieren zu wollen. Als geradezu peinlich habe er, Segev, zudem empfunden, dass Netanjahu während seiner Rede die Konstruktionsskizze von Auschwitz sowie eine Kopie des Wannsee-Protokolls hochgehalten habe, als ob bewiesen werden müsste, dass der Holocaust tatsächlich geschehen sei.
Netanjahu scheint von dem, was er sagt, tief überzeugt. Seine UN-Rede hat er den "Kern" seiner politischen Glaubenssätze genannt. Das gilt nicht nur für seine Warnungen vor einer potenziellen Atommacht Iran, vor den "Tyrannen von Teheran". Das betrifft auch seine Seitenhiebe auf die Vereinten Nationen. "Kennt ihr keine Scham?", fragte er all jene Gesandte, die am Vortag nicht aus Protest den Saal verlassen hatten, als dort der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad seine Tiraden losgelassen hatte.
Die israelische Presse zollte Netanjahu breites Lob für seine Rhethorik. Ohnehin kehrt er gestärkt aus den USA zurück. Die Israelis sehen ihn gar als Sieger des Drei-Parteien-Gipfels, der auf US-Drängen mit Israel und den Palästinensern zustande kam.
Selbst Barack Obama hat öffentlich nicht mehr den Stopp aller Siedlungsaktivitäten gefordert, sondern um Zurückhaltung beim Siedlungsausbau gebeten. Kommentator Nahum Barnea beschreibt es so: "Netanjahu hat sich eine innenpolitische Krise erspart, ohne einen Preis zahlen zu müssen, den Zusammenhalt seiner Koalition gestärkt und dazu Zeit gewonnen."
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