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Israel und Iran: Ungekannte Sympathien

Unschlüssig in Jerusalem. Der Mut der Iraner erschüttert das alte Feindbild der Israelis. "Um Gottes Willen, wen sollen wir denn da bombardieren", schreibt ein Journalist. Von Inge Günther

Ungewohnte Koalition. Israelische und iranische Flaggen bei Protesten in Tel Aviv.
Ungewohnte Koalition. Israelische und iranische Flaggen bei Protesten in Tel Aviv.
Foto: rtr

Jerusalem. Seit den Massenprotesten im Iran ist den Israelis das gewohnte Feindbild durcheinander geraten. Iran, das war die existenzielle Bedrohung, reduziert auf das Mullah-Regime mit Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadinedschad als Präsident, dessen Atomgelüste sich womöglich nur mittels militärischem Präventivschlag austreiben ließen.

Der Mut der Demonstranten in Teheran und andernorts, die für Demokratie und mehr Freiheit ihr Leben riskieren, hat ungekannte Sympathien für die Iraner geweckt, auch in Israel. "Um Gottes Willen, wen sollen wir denn da bombardieren", brachte es der Journalist Zvi Bar'el von der Tageszeitung Haaretz polemisch auf den Punkt.

Selbst Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, der Mut der Iraner verdiene den Beifall aller freien Menschen in der Welt. Die iranische Regierung aber sei weiterhin die größte Gefahr für den Weltfrieden wegen ihres Atomprogramms.

Dabei hat sich die israelische Regierung bisher bewusst zurückgehalten. Das letzte, was die iranische Reformbewegung gebrauchen könne, sei Beifall aus Jerusalem oder Washington, hieß es. Ein anderer Grund hat damit zu tun, dass laut israelischer Expertenmeinung es in der Atomfrage keinen Unterschied macht, ob Ahmadinedschad oder sein Gegenspieler Mir Hussein Mussawi regiert. Mussawi habe schließlich seinerzeit als Premier das Nuklearprogramm auf den Weg gebracht.

Warten auf Obama

Die iranische Reformbewegung hat gründlich die israelische Regierungspolitik erschüttert. Zwar hat Mossad-Chef Meir Dagan gleich zu Beginn vollmundig kundgetan, in wenigen Tagen würden die Proteste einschlafen. Aber der ehemalige Militärgeheimdienstchef Aharon Zeevi Farkasch ist da ganz anderer Meinung. Er sieht den Anfang vom Ende des Ajatollah-Regimes gekommen.

Entsprechend unschlüssig ist man sich in Jerusalem, wie die iranische Krise das Dialogangebot von US-Präsident Barack Obama an Teheran tangieren wird. Die einen fürchten, dass jetzt noch mehr Zeit vertan werde, die am Ende den Atombetreibern nütze. Die anderen sehen neue Chancen, weil sich in den Demos auch der Wunsch der Iraner ausdrücke, nicht wie Nordkorea in der Isolation zu landen. Der Israeli Bradley Burston schrieb in seinem Blog hoffnungsvoll: "Ich habe nie geglaubt, mal für den Iran zu halten", aber jetzt sei die Zeit gekommen "grün zu tragen."

Autor:  INGE GÜNTHER
Datum:  24 | 6 | 2009
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