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Italienischer Politiker auf der Todesliste: Heimat des Surrealen

Von der Mafia bedrohte EU-Politiker, Rosario Crocetta, fühlt sich in Brüssel schutzlos. Der belgische Staat garantiere nicht für seine Sicherheit, klagt er. Von Thorsten Knuf

In der Kunstrichtung des Surrealismus geht es um das Unwirkliche, Absurde. Belgien gilt als Heimat des Surrealismus. Die Bewohner des Königreichs behaupten, dass das nicht von ungefähr komme. Sie tun das immer dann, wenn sie mal wieder an ihrem aufgeblähten Staat verzweifeln. Wer jemals mit belgischen Behörden zu tun hatte, der weiß, dass das Absurde sehr konkrete Formen annehmen kann.

Diese Erfahrung scheint gerade auch der Italiener Rosario Crocetta zu machen. Der 58-jährige Sozialdemokrat stammt aus dem sizilianischen Ort Gela. Dort kam er zur Welt, dort war er Bürgermeister. Seit Juni ist Crocetta Mitglied des EU-Parlaments. Er müsste jetzt eigentlich ständig in Brüssel sein, der Hauptstadt Belgiens und der Europäischen Union.

Aber Crocetta traut sich nicht und bleibt lieber zu Hause. Der Politiker steht auf der Todesliste der sizilianischen Mafia. Drei Anschläge gegen ihn seien knapp vereitelt worden, sagt Crocetta. In Italien habe er permanenten Polizeischutz. Auch Frankreich stelle Leibwächter bereit, wenn das EU-Parlament in Straßburg tagt.

Nur in Brüssel, wo die Volksvertreter die meiste Zeit arbeiten, fühlt sich Crocetta schutzlos. Der belgische Staat garantiere nicht für seine Sicherheit, klagt er. In seiner Not wandte sich der Politiker jetzt an Jerzy Buzek, den Präsidenten des EU-Parlaments. Es sei "naiv" zu glauben, dass die Mafia nicht in Belgien agieren könne. Buzek reagierte entsetzt. Er versprach Crocetta, sofort mit Belgiens Regierungschef Herman Van Rompuy in Kontakt zu treten.

Seit seiner Wahl war Crocetta nur dreimal zu Sitzungen in Brüssel - immer in Begleitung eines bewaffneten italienischen Polizisten. Auf Anordnung der italienischen Behörden darf der aber nicht mehr mitkommen. Das belgische Innenministerium versteht die Aufregung nicht. Man sei mit Crocetta im Gespräch. Außerdem habe man ihm sehr wohl Schutz angeboten. In welcher Form, will die Behörde nicht sagen. Crocetta weist die Angaben des Ministeriums zurück: Die Belgier verlangten detaillierte Informationen über die Personen, die ihn bedrohen. Das aber sei vollkommen blauäugig.

Autor:  Thorsten Knuf
Datum:  19 | 10 | 2009
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