Manuel Zelaya will auf eigene Faust in seine Heimat zurück. Wie könnte ein friedfertiges Szenario der Rückkehr aussehen?
Es gibt zwei Dinge, an denen nicht zu rütteln ist: Zum einen muss Zelaya zurück und als gewählter Präsident sein Mandat beenden. Aber er muss auch wissen, dass er nicht so weiterregieren kann, als sei nichts passiert. Viel weniger noch darf er sich an seinen Gegnern rächen. Vorstellbar ist Folgendes: Ein starker Premier, ein kontrollierendes Kabinett und eine Beobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die ihm auf die Finger schaut. Honduras braucht aber darüber hinaus eine Art Neugründung. Man muss schauen, was bei der Verteilung des Reichtums falsch gelaufen ist. Außerdem muss die Verfassung geändert werden. Honduras ist das einzige Land, das kein Amtsenthebungsverfahren kennt. Honduras braucht tatsächlich eine Verfassunggebende Versammlung.
Javier Ciurlizza ist Lateinamerika-Direktor am ICTJ-Zentrum in Bogotá. Er untersucht interne Konflikte.
Es gibt unterschiedliche Einschätzungen darüber, ob es einen Staatsstreich gab.
Es war eindeutig ein Staatsstreich. Was bei der Betrachtung, hilft, ist die Verknüpfung mit der Geschichte des Landes. Honduras hat 70 Prozent Armut. Das Land litt unter einer Serie von Diktaturen, und in den achtziger Jahren gab es einen schmutzigen Krieg. Dabei verschwanden 600 Menschen. Es gibt keine Aufarbeitung, niemand wurde zur Verantwortung gezogen, es wurden keine Reparationen gezahlt.
Sind all das auch Ursachen für den Staatsstreich?
Ja, die Eliten des Landes haben den Putsch aktiv unterstützt. Zelaya ist ein Präsident, der falsche und schlechte Entscheidungen getroffen und das Land polarisiert hat. Aber das ist keine Entschuldigung für den Staatsstreich und auch nicht für die Unterstützung durch die Eliten. Und gerade die sorgt mich am meisten. In Lateinamerika ist die Demokratie nicht selbstverständlich. Was in Honduras passierte, ist eine ernste Warnung für die Länder der Region.
Was würde es bedeuten, wenn die Putschisten in Honduras am Ende durchkommen würden?
Das wäre sehr schwerwiegend für Lateinamerika. Wenn wir zu den Zeiten der Staatsstreiche zurückkehren, ist die Organisation Amerikanischer Staaten mit ihrem Konzept gescheitert. Und es wäre eine unmittelbare Bedrohung für die Staaten in der Region, vor allem Guatemala, wo die Demokratie noch zerbrechlicher ist als in Honduras, aber auch für El Salvador, wo es trotz Wirtschaftswachstums keine konsolidierte Demokratie gibt .
(Interview: Klaus Ehringfeld)
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