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05. Juli 2008

Jerusalem: Amokfahrer stand offenbar unter Drogen

 Von INGE GÜNTHER

Das Attentat mit einem schweren Baufahrzeug in Jerusalem war offenbar nicht politisch motiviert.

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Jerusalem. Der Vater ein palästinensischer Terrorist, der Sohn ein jüdischer Siedler: So beschrieb das israelische Massenblatt Yedioth Achronoth am Freitag die privaten Verhältnisse im Fall des Amokfahrers Hussam Dwayat (30), der am Mittwoch mit einem Radlader drei Israelis getötet und dutzende verletzt hatte, bevor Sicherheitskräfte ihn erschossen.

Dwayat, der aus dem Dorf Sur Baher im Süden Jerusalems stammt, hatte lange Jahre eine fatale Liebesbeziehung mit "S.", einer Israelin, die bis heute in einer nahe gelegenen Siedlung wohnt. Aus diesem Verhältnis ging ein uneheliches Kind hervor, ein inzwischen sieben Jahre alter Junge.

S. stellte den Attentäter als ihre erste große Liebe dar. Kennen gelernt habe sie ihn zu Schulzeiten, als er junger Baggerfahrer bei einer Jerusalemer Baufirma war. "Wir waren alles für einander", wird die junge Frau zitiert. Trotz allem liebe sie ihn noch. Problematisch war die Freundschaft aber nicht nur, weil beider Familien dagegen waren. Er rauchte offenbar Marihuana und schlug sie, bis sie ihn bei der Polizei anzeigte. Nachdem er zwei Jahre im Gefängnis verbracht hatte, will sie ihn nur noch einmal gesehen haben. Der Attentäter heiratete und bekam mit seiner palästinensischen Ehefrau zwei Kinder.

Sie selbst, gab seine ehemalige Geliebte S. an, glaube nicht, dass Dwayat die Amokfahrt aus nationalistischen Motiven heraus beging. "Er hat Juden überhaupt nicht gehasst." Das Problem sei sein Drogenkonsum. Ähnlich äußerte sich auch die Familie des Attentäters. Er sei weder religiös noch politisch engagiert gewesen, so der Vater. Nach seiner Überzeugung ist der 30-Jährige schlicht "durchgedreht". Die Familie hat jetzt in eine Obduktion seiner Leiche eingewilligt, um dem Drogenverdacht nachzugehen.

Ein klassischer Terrorist scheint Hussam Dwayat nicht gewesen zu sein. Ungeachtet dessen will Israels Kabinett am Sonntag über die Wiederaufnahme einer seit Jahren nicht mehr angewendeten Kollektivstrafe beraten: den Abriss der Häuser palästinensischer Attentäter. Im Falle einer Abrissverfügung bliebe der Dwayat-Familie nur der Appell an das Oberste Gericht. Eine Kommission von Militärexperten war im Jahr 2005 zu der Einschätzung gelangt, dass die Häuserzerstörung keinen Abschreckungseffekt auf potenzielle Attentäter erziele.

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