Berlin. Der von SPD und Grünen als Präsidentschaftskandidat aufgestellte Bürgerrechtler Joachim Gauck begreift seine Nominierung als "Signal der Öffnung".
Er wisse, "dass in beiden Parteien auch linke Positionen vertreten werden, die nicht völlig zu meinen politischen Grundüberzeugungen passen", sagte Gauck der Zeitung "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. Für ihn sei der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung. Das sehe man im linken Spektrum zuweilen ganz anders, weil dort Werte wie Solidarität und staatliche Fürsorglichkeit vertreten würden.
Gauck sagte, Freiheit sei anstrengend und schwierig. Er kritisierte, für viele bestehe Glück darin, dass es ihnen morgen materiell besser gehe als heute. Diese Reduzierung des Lebensglücks auf Wohlfahrt und Wohlstand halte er für kindisch.
Zur schwierigen Haushaltssituation der Republik und der Staatsverschuldung sagte Gauck, es sei nicht zu erwarten, dass Politiker die Motoren dieser "dringend notwendigen öffentlichen Debatte sein werden". Die Politik müsse lernen, deutlich über den nächsten Wahltermin hinaus zu denken. Es sei Aufgabe der Bürger und Intellektuellen, Schwung in diese Diskussion zu bringen. Die Politik stehe öffentlichen Konflikten ungeheuer furchtsam gegenüber.
Gauck räumte ein, dass es ihn störe, noch immer vor allem mit der Auseinandersetzung um die Stasi-Vergangenheit in Verbindung gebracht zu werden. "Und wie mich das nervt!", sagte Gauck. (ddp)
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