Karlsruhe. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss hat den Besitz von Kinderpornografie öffentlich gerechtfertigt und von Fehlern gesprochen. "Ja, ich habe Mist gebaut", sagte Tauss nach seiner Vernehmung am Mittwoch in Karlsruhe. Er habe sich aus Recherchegründen "in einen stinkenden Schweinestall begeben, um ihn auszumisten". Es sei möglich, dass die Kontakte, die er auf diese Weise mit der Szene hatte, auch als Verstoß gewertet werden könnten.
Gleichzeitig beteuerte der ehemalige medienpolitische Sprecher der SPD seine Unschuld: "Ich halte mich nicht für schuldig im Sinne der Anklage." Nach seiner Darstellung hat er vor zwei Jahren versucht, sich der Szene "zu nähern", um Missbrauch nachzuweisen und Kontakte zu knüpfen für seine politische Arbeit. "Man kommt heute der kinderpornografischen Szene nur nahe, wenn man selbst szenetypisches Material anbietet", erklärte Tauss. Er habe die These belegen wollen, dass Kinderpornografie wieder häufiger über Handys, Telefonhotlines und die Post verbreitet werden.
Der 55-jährige war am Freitag von seinen Partei-Ämtern zurückgetreten, nachdem bei Durchsuchungen in seiner Berliner Wohnung Kinderporno-Bildmaterial außerhalb des Computers gefunden worden war. Tauss habe mit einem einem Mann aus der Kinderpornografie-Szene Text- und Bilddaten ausgetauscht, die "szenetypisch" seien, erläuterten Beamte. Tauss griff die Ermittler erneut an: Journalisten seien über die Durchsuchungen vor ihm informiert worden. Das gleiche einer Vorverurteilung." Er halte sich für unschuldig: "Ich versichere Ihnen, kein Pädophiler zu sein." Die Staatsanwaltschaft sieht sich nach der Stellungnahme bestätigt. "Es belegt die Richtigkeit der Auffassung, dass er in strafrechtlich relevanter Weise mit Kinderpornografie in Berührung gekommen ist."
Der Vorsitzende des Immunitätsausschusses im Bundestag, Thomas Strobl (CDU), zeigte sich empört über Andeutungen von Tauss' Anwalt, die gesamte Angelegenheit könne auch politische Hintergründe haben. Die Entscheidung, Tauss' Immunität aufzuheben, sei im Ausschuss "ohne jede Gegenstimme" und daher auch mit Billigung der SPD gefallen, betonte Strobl. Tauss' Anwalt hatte geargwöhnt, die Gegnerschaft seines Mandanten zu Gesetzesplänen von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) könne auf Seiten der Union Revanchegedanken ausgelöst haben. ind/dpa/ddp
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