"Wir gehen nach Hause. Wir haben gewonnen. Es ist vorbei“, rief ein US-Soldat in die Kamera, als seine Einheit Donnerstag früh die irakische Grenze Richtung Kuwait passierte. Der erste Satz stimmt, der zweite nicht, der dritte muss sich noch erweisen. Nach Hause gehen zumindest Amerikas Kampftruppen. Die letzte Brigade hat den Irak knapp zwei Wochen vor der von Präsident Barack Obama gesetzten Frist für das Ende der Mission „Irakische Freiheit“ verlassen. „Das letzte Fahrzeug überquerte die Grenze gegen 6 Uhr Ortszeit“, berichtete Kommandeur Eric Bloom.
Feuerspuckend war die US-Invasionstruppe im März 2003 von dort Richtung Bagdad gerast. Wie träge Raupen passierten nun mehr als sieben Jahre später die letzten mit schwerer Käfigpanzerung bewehrten Stryker-Fahrzeuge die Grenze in umgekehrter Richtung. „Ein historischer Moment“, kommentierte CNN die Bilder von der Wüstenpiste.
„Neue Morgendämmerung“
Das Ende des Einsatzes aber markiert der Abzug nicht. 56000 US-Soldaten stehen noch im Irak, bis Ende August soll die Zahl auf 50000 sinken. Bei Obamas Amtsantritt waren es noch gut 140000 gewesen. Am 1. September beginnt dann offiziell die neue Mission, „Operation neue Morgendämmerung“: Die verbliebene Truppe soll nicht mehr in den Kampf ziehen, sondern lediglich irakische Streitkräfte ausbilden, beraten und unterstützen. Sechs US-Brigaden bleiben dafür zurück, die eigentlich auch reguläre Einheiten sind, künftig aber anders heißen. Ebenfalls rund 4500 Mann der US-Eliteeinheiten stehen als Ausbilder zur Verfügung, offenbar auch als eine Art schnelle Eingreiftruppe, falls irakische Kommandeure Hilfe anfordern.
Irgendwann 2011 soll dann auch die Rumpftruppe den Heimweg antreten: Bis zum 31. Dezember 2011, so hatte es schon die Bush-Regierung mit Bagdad vereinbart, muss der letzte US-Soldat das Land verlassen. Bleiben sollen danach rund 2400 zivile Mitarbeiter der größten US-Botschaft der Welt sowie bis zu 7000 Angestellte privater Sicherheitsdienste.
Kritiker wie der frühere US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, warnen indes vor Instabilität und einem übereilten Rückzug. „Wir brauchen strategische Geduld“, sagte Crocker. Der Zeitplan sei der Realität voraus. Obama betonte demgegenüber: „Wir halten das Versprechen, das wir gemacht hatten, als ich meinen Wahlkampf begonnen habe.“
Im Weißen Haus, wo man den Abzug als großen Erfolg verbucht, ist von Siegesjubel nichts zu spüren. Der Präsident warnte vielmehr, mit weiteren Opfern sei zu rechnen. Laut Pentagon kamen seit 2003 4415 US-Soldaten ums Leben. Die Zahl irakischer Zivilopfer wird auf rund 100000 geschätzt. Zuletzt lehnten 69 Prozent der US-Bürger den Irakkrieg ab.
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