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Politik
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17. September 2014

Junge Union: Eine Ära geht zu Ende

 Von 
Philipp Mißfelder: Feierabend nach zwölf Jahren.  Foto: imago

Erstmals will die Jugendorganisation von CDU und CSU ihren Chef in freier geheimer Wahl bestimmen.

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Eine Revolution steht bevor. Freitagabend, in einer Sporthalle im Chiemgau. Dort in Inzell trifft sich die Junge Union, die Jugendorganisation von CDU und CSU. „Das Land neu denken“, steht auf der Einladung, verziert mit Traktor, Smartphone und Edelweiß. Das Neudenken beginnt so: Der neue Vorsitzende der JU wird geheim gewählt. Wirklich geheim, nicht mit Pro-Forma-Wahlkabine in der Ecke und lässigem Ankreuzen am Sitzplatz. Sondern mit Stimmzettelausgabe erst vor der Wahlkabine. So viel Demokratie ist eine veritable Revolution in der Jungen Union. Zumindest ist das der Plan.

Der Grund dafür ist eine weitere Premiere: Erstmals bewerben sich für den Vorsitz zwei Kandidaten. Auswahl kann man das nennen oder auch „Kampfkandidatur“. So wie das Rennen gelaufen ist, war es eher Kampf. Zu den Kuriositäten gehört, dass es über den einen heißt, er stehe Angela Merkel nahe. Und über den anderen, er sei ein Zögling des bisherigen JU-Chefs. Und dass beides als Vorwurf gemeint ist. Wie gesagt: Jugend.

Erst redet Mutti

Philipp Mißfelder hat sie nun zwölf Jahre lang geführt, eine lange Zeit ist das, vor allem in der Zeitrechnung junger Leute. Mißfelder war eine Weile ein sehr lauter JU-Chef, gerne auf Konfrontationskurs zur Parteispitze. Den größten Ärger bekam er, als er befand, bei Senioren lohnten sich künstliche Hüftgelenke nicht mehr. Mit 35 ist er jetzt zu alt für die JU, stattdessen macht er Außenpolitik in der Bundestagsfraktion und kriegt dort Ärger wegen einem Treffen mit Wladimir Putin.

Übernehmen wollen seinen bisherigen Job der 29-jährige Paul Ziemiak aus Nordrhein-Westfalen, Student und Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, und der 31-jährige Betriebswirtschaftler Benedict Pöttering aus Niedersachsen.

Chef der JU mit ihren 120 000 Mitgliedern ist keine schlechte Ausgangsposition für Karriere in der CDU. Mißfelders Vorgängerin Hildegard Müller brachte es zur Staatsministerin im Kanzleramt. Die meisten Spitzenpolitiker der Union haben irgendeine JU-Vergangenheit, außer Angela Merkel und Ursula von der Leyen.

Ziemiaks erste politische Aktion als Schüler war das Engagement für ein Party-Sammel-Taxi, Pöttering hat sich für eine Skatebahn eingesetzt. Beide sind seit Jahren in der JU, als NRW-Landesvorsitzender, als Vize-Bundeschef der andere.
Nun wollen beide ganz nach oben und streiten sich darum, wer von ihnen mehr nach Hinterzimmer-Kungelei riecht. Pöttering wirft Ziemiak vor, seine Kandidatur ausgekungelt zu haben. Im Ziemiak-Lager heißt es, Mißfelder habe Pöttering wohl das Amt versprochen, der habe sich sicher gefühlt und sei von der zweiten Kandidatur überrascht worden. Beide werfen sich gegenseitig vor, Auseinandersetzungen zu scheuen.


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Wie auch immer, jedenfalls geht es ziemlich munter zu in der Jungen Union. Pöttering, Sohn des früheren EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering gibt sich als Rebell, er bemängelt den „oft inhaltsleeren und konfliktscheuen Politikstil“ Merkels und findet, die JU müsse wieder kritischer werden.

Pöttering sei doch als JU-Vize Teil des Systems gewesen, kontert die Gegenseite. Und dass Kritik um der Kritik willen nichts bringe, sagt Ziemiak. „Wir werden nur ernst genommen, wenn wir konstruktiv sind und eigene Ideen bringen.“ Er hat ein mehrseitiges Programm geschrieben und findet, das zeige, dass er eine Position habe. Pöttering fragt auf seiner Internetseite nach Meinungen und sagt, auf diese Weise werde die Basis besser beteiligt.
Beide halten die Rente mit 63 für einen Fehler, wollen sich um Demografiefragen kümmern und um Netzpolitik.
NRW, Baden-Württemberg, Hessen, Berlin und Sachsen-Anhalt so heißt es, unterstützten Ziemiak. Die Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfälzer und Saarländer seien für Pöttering. Aber die Wahl soll ja geheim sein. Vorher hält die Kanzlerin eine Rede.

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