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Jusos stellen Initiativantrag: SPD reloaded

"Friss-Oder-Stirb" - dieses Prinzip soll es in der SPD zukünftig nicht mehr geben. Im Wettrennen um die besten Erneuerungsvorschläge, startet nun auch der sozialdemokratische Nachwuchs durch.

Die Jusos pochen auf eine Erneuerung der SPD nach dem Debakel bei der Bundestagswahl. Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel fordert zugleich ein sozialeres Profil der Partei.
Die Jusos pochen auf eine "Erneuerung" der SPD nach dem Debakel bei der Bundestagswahl. Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel fordert zugleich ein sozialeres Profil der Partei.
Foto: ddp

Die Jusos pochen auf eine "Erneuerung" der SPD nach dem Debakel bei der Bundestagswahl. Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel forderte am Dienstag zugleich ein sozialeres Profil der Partei. Sie sagte der Nachrichtenagentur ddp mit Blick auf den am Freitag in Dresden beginnenden SPD-Bundesparteitag: "Die SPD hat die Aufgabe, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen." Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hofft auf "das Signal, dass wir wieder zusammenstehen und gemeinsam nach vorne blicken".

In einem Initiativantrag der Jusos heißt es, die SPD müsse wieder "Partei der Gerechtigkeit" werden. Heftige Kritik wird unter anderem an der Rente mit 67 geäußert. Außerdem attackiert die Jugendorganisation den bisherigen Führungsstil in der SPD: "Vorgebrachte Kritik wurde nicht selten mit dem Basta-Prinzip weggewischt." Die Jusos fordern: "Wir wollen keine Diskussionskultur mehr, wo oben entschieden wird und die Partei zu folgen hat."

Drohsel sagte: "Es ist problematisch, dass in den vergangenen Jahren SPD-Positionen in der Regierung entwickelt wurden, die in der Partei nicht diskutiert werden konnten." Dieses "Friss-Oder-Stirb-Prinzip" führe "zu einem nachhaltigen Schaden in der Partei, wenn bei den Mitgliedern der Eindruck entsteht, man könne sich nicht wirklich einbringen". Sie erwarte, dass es in der SPD mit dem designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel und der künftigen Generalsekretärin Andrea Nahles zu einer besseren Diskussionskultur komme.

Sellering mahnte, jedes einzelne SPD-Mitglied müsse sich künftig "einbringen" können. Er fügte hinzu: "Unsere Stärke war immer, dass die Antworten auf wichtige politische Fragen von unten nach oben entwickelt wurden. Da müssen wir wieder hin."

Die SPD-Vorsitzenden seit 1946

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Der Ministerpräsident betonte zugleich: "Uns allen steckt noch die bittere Niederlage bei der Bundestagswahl in den Knochen. Dresden wird die ehrliche Stimmung in der Partei widerspiegeln." Er sei aber "sehr zuversichtlich, dass wir einen positiven Neustart erleben werden".

Drohsel kritisierte, der Leitantrag des SPD-Vorstands für den Parteitag sei "teilweise nicht klar genug". Die SPD müsse deutlich sagen, "was ihre inhaltlichen Ziele sind, und die Gerechtigkeitsdefizite in den Griff bekommen".

In dem Antrag der Jusos wird auf mangelnde Glaubwürdigkeit der SPD hingewiesen. Weite Teile der Bevölkerung hätten "das Vertrauen verloren, dass mit einer SPD-Regierungspolitik soziale Gerechtigkeit auch praktisch politisch verfolgt wird und über verbale Lippenbekenntnisse hinausgeht". Zudem werde von zwei Dritteln der angestammten SPD-Wähler gesagt, die SPD habe "ihre Prinzipien verraten".

Dabei handele es sich nicht um ein Kommunikationsproblem, mahnen die Jusos. In der Regierungszeit der SPD seien vielmehr "faktisch Gerechtigkeitsdefizite entstanden". So habe sich die Einkommensverteilung "weiter zulasten der Beschäftigten verschoben". Darüber hinaus habe sich "die Ungleichverteilung der Vermögen weiter verschärft".

Die SPD-Nachwuchsorganisation verlangt unter anderem, Vermögende und höhere Einkommen stärker an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben zu beteiligen - zum Beispiel durch eine Vermögenssteuer und eine höhere Erbschaftssteuer. Notwendig sei zudem "eine Regulierung der Leiharbeit". (ddp)

Datum:  10 | 11 | 2009
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