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Kämpfe in Georgien: Der Propaganda-Krieg

Für Russen und Georgier ist der Kampf um die Weltmeinung so wichtig wie der auf dem Schlachtfeld. Interaktive Grafik: Der Konflikt

Ein Mann sitzt in Trümmern in der georgischen Stadt Gori.
Ein Mann sitzt in Trümmern in der georgischen Stadt Gori.
Foto: dpa

William Dunbars Berichterstattung über den Krieg in Georgien dauerte nur einen Tag. Am Samstagvormittag erwähnte der Tiflis-Korrespondent des englischsprachigen russischen Staatsfernsehens Russia Today in einer Liveschaltung, dass russische Flugzeuge ausserhalb Südossetiens die georgische Stadt Gori bombardiert und dabei zivile Wohnhäuser getroffen hätten. Es war das letzte Mal, dass Dunbar auf Russia Today gesehen wurde.

"Die weiteren Satellitenschaltungen, die für diesen Tag gebucht waren, wurden von Russia Today abgesagt", sagt Dunbar, ein 25 Jahre alter Engländer, der seit Juni 2007 für den russischen Sender aus Georgien berichten sollte. "Es war nicht das erste Problem dieser Art. Ich wurde angestellt, weil Russia Today angeblich mehr über die georgische Sicht berichten wollte. Doch je mehr sich die Krise zwischen Russland und Georgien zuspitzte, desto mehr meiner Berichte wurden nicht gesendet." Noch am Samstag kündigte Dunbar. "Die wahren Fakten passten nicht zu dem, was Russia Today melden wollte."

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Interaktive Grafik: Der Konflikt

Youtube-Videos zu Georgien Bilderflut über Krieg im Kaukasus

Auch die Zuschauer der kremlkontrollierten russischen Fernsehsender bekommen wenig Information und viel Propaganda. So strahlte das Staatsfernsehen Rossija Bilder von weinenden südossetischen Frauen und Kindern aus - und zeigte dabei auch georgische Kriegsopfer als angeblich südossetische Opfer georgischer Aggression, so Alexej Wenediktow, Chefredakteur des Radiosenders Echo Moskaus.

Auch Angaben über die Zahl der Toten werden manipuliert. So sagte Russlands Botschafter in Georgien, durch die georgischen Bombardements seien in der ersten Kriegsnacht im umkämpften Zchinwali 1500 Menschen gestorben. Die echte Opferzahl liegt offenbar vielfach niedriger. Fast alle verwundeten Südosseten und Russen werden ins russische Nordossetien evakuiert und zuerst ins Feldhospital bei Alagir eingeliefert, so Mitarbeiter des zuständigen Ministeriums für Katastrophenhilfe zur Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

Im Alagir-Hospital waren bis Sonntagabend aus Zchinwali und südossetischen Dörfern gerade 52 Verwundete eingetroffen, davon 90 Prozent Soldaten. Das Feldhospital erwartete weitere 150 Verwundete, darunter 20 Schwerverletzte aus einer mobilen Militärfeldklinik, so HRW. "In modernen Kriegen ist die Zahl der Verwundeten durchschnittlich drei Mal höher als die der Toten", sagt HRW-Mitarbeiterin Anna Neistat. "Gäbe es 2000 Tote, müsste es rund 6000 Verwundete geben. Niemand kennt bisher die Zahl der Toten, aber sie dürfte wesentlich niedriger liegen als von Russland behauptet."

Doch auch die Georgier manipulieren - angefangen bei der Behauptung von Präsident Michail Saakaschwili, Georgien sei unschuldiges Opfer russischer Agression. Propaganda, die vor allem US-Medien wie der Fernsehsender CNN kritiklos übernommen hatten. Dabei bestätigte Ryan Grist, Vize-Leiter der OSZE-Mission in Georgien, der FR schon am vergangenen Freitag, dass die georgische Armee in der Tat Hunderte von Artilleriegeschossen auf Zchinwali abgeschossen und offenbar selbst eine Offensive begonnen hatte. Wer die Schuld am Kriegsausbruch trägt, dürfte in den Augen der Weltöffentlichkeit eine entscheidende Rolle über die Planung der Nachkriegszeit und ein Mandat für Südossetien und Abchasien spielen.

Auch andere Angaben aus Tiflis wecken Zweifel - etwa über eine Südossetien und Abchasien überschreitende russische Invasion des restlichen Georgien. Am Montag behauptete Präsident Saakaschwili in einer Konferenzschaltung mit der FR und anderen Korrespondenten, Russland habe ausserhalb Südossetiens die Stadt Gori angegriffen. "Hätten sie Gori erobert, wären die Russen bis nach Tiflis durchmarschiert." Doch vor Ort befindliche Korrespondenten etwa der Agentur Reuters fanden keine Belege für einen russischen Angriff auf Gori.

Georgiens Premierminister behauptete am vergangenen Wochenende, russische Bomber hätten versucht, die durch Georgien führende Ölpipeline zu bombardieren, die Öl für Europa führt. Doch die Pipeline betreibende Ölgesellschaft British Petroleum weiss nichts von angeblichen Bombardements. "Unsere Operationen in Georgien sind vom Konflikt nicht betroffen", sagte ein BP-Sprecher der.

Der Krieg wird seit den ersten Kriegsminuten auch im Internet ausgetragen. Die Seiten der südossetischen de-facto-Regierung waren schon am Freitag vergangener Woche oft nicht zugänglich. Georgien schaltete auch alle russischen Fernsehsender ab und blockierte - vorübergehend erfolgreich - den Zugang zu allen russischen Internetseiten mit Endung .ru. Moskaus Elektronikspezialisten liessen sich nicht lumpen. Georgische Internetseiten wie der von Saakaschwili sind aus Moskau nicht oder nur mit langer Verzögerung zugänglich.

Autor:  FLORIAN HASSEL
Datum:  11 | 8 | 2008
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