Ein pakistanisches Gericht hat die Auslieferung des festgenommenen Taliban-Vizechefs, Mullah Abdul Ghani Baradar, und drei weiterer Taliban-Führer an Afghanistan am Freitag vorerst gestoppt. Der Richter gab damit dem Antrag eines islamistischen Aktivisten statt, der die Auslieferung der Extremisten in die USA befürchtet.
Die afghanische Regierung hatte am Donnerstag erklärt, Pakistan werde die kürzlich gefassten Taliban-Führer demnächst an Kabul überstellen. Die Gerichtsentscheidung verhinderte das jetzt. Baradar war Anfang vergangener Woche bei einer Operation von pakistanischen und US-Geheimdiensten in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi festgenommen worden. Er gilt als Nummer zwei in der Taliban-Hierarchie.
Nach Ansicht der Afghanistan-Expertin Citha Maass von der Stiftung Wissenschaft und Politik führen die Verhaftungen aber insgesamt zu einer politischen Schwächung der Taliban. Gleichzeitig würden die Aufständischen durch die Großoffensive "Muschtarak" der Alliierten auch militärisch unter Druck geraten.
Hierbei vermeldeten die afghanische Armee und die Nato-geführte Schutztruppe Isaf am Donnerstag einen Erfolg: Über der einstigen Taliban-Hochburg Mardscha weht wieder die afghanische Flagge. Knapp zwei Wochen nach Beginn der Offensive wurde somit die Kontrolle über die größte Stadt in der Region übernommen.
Die Militäraktion ist die bislang größte Offensive gegen die Taliban seit dem Sturz des Regimes 2001. Sie gilt als Testfall der neuen Strategie von US-Präsident Barack Obama, die die Vertreibung der Taliban mit dem zivilen Aufbau verbinden will.
Für Afghanistan-Kennerin Maass ist allerdings fraglich, ob beim Aufbau staatlicher Strukturen in den besetzten Gebieten nun das gelingt, was im Rest des Landes in den vergangenen acht Jahren nicht funktionierte. Ein Wendepunkt im Kampf gegen die Taliban sei noch nicht erreicht, sagte sie der FR. (prhob/afp/rtr/dpa)
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