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Kanzlerin Merkel: Meisterin des Floretts

Angela Merkel ist einfach nicht zu fassen: Die Kanzlerin macht Wahlkampf ohne Wahlkampf - sie lässt die Attacken der SPD an sich abprallen und umarmt die politische Konkurrenz. Von Thomas Kröter


Foto: dpa

Wenn Angela Merkel auf den politischen Gegner eindrischt, hört sich das so an: "Wir sollten nicht sinnlos auf einander rumhacken, sondern den anderen zumindest eine gute Absicht unterstellen." Der Name des sozialdemokratischen Amtskollegen Franz Müntefering kommt der CDU-Vorsitzenden nicht über die Lippen.

Dass er ihr vorgeworfen hat, die Zahl der Arbeitslosen sei ihr egal, sie interessiere nur ihr Amt und "unverschämt" sei sie auch noch - derlei Attacken zurückzuweisen, dafür hat sie ihre Leute. Auf dies Niveau begibt sich die Königin der Umfragen nicht. Mag die SPD die rhetorische Streitaxt ausgraben. Sie bleibt beim Florett.

Ob in natura oder auf den Wahlplakaten: Bundeskanzlerin lächelt die politischen Gegner einfach in Grund und   Boden.
Ob in natura oder auf den Wahlplakaten: Bundeskanzlerin lächelt die politischen Gegner einfach in Grund und Boden.
Foto: ddp

Mit einem Sommerinterview beim netten Herrn Kloeppel von RTL hatte sie sich aus dem Südtiroler Wanderurlaub zurückgemeldet. Nun folgt im Konrad-Adenauer-Haus Merkels Rede zum Weg aus der Krise. Und wäre da nicht ein moderates Plädoyer für die Atomkraft, der Vortrag - Titel "Nachhaltiges Wachstum" - hätte auch vor einem Auditorium in der grünen Heinrich-Böll-Stiftung keine Entrüstung hervorgerufen. Zur Nachbereitung hat die CDU-Vorsitzende den wirtschaftsliberalen Wachstumsskeptiker Kurt Biedenkopf eingeladen.

Einen (demnächst auch nicht mehr) aktiven SPD-Politiker erwähnt die Kanzlerin immerhin: Fraktionschef Peter Struck, der gemeinsam mit Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) als innerstaatliche Langfrist-Antwort auf die neuen Krisenkredite die "Schuldenbremse" ins Grundgesetz implantiert habe. Zum Auftakt des Wahlkampfes ein Hoch auf ein großkoalitionäres Projekt - auf die Idee muss eine(r) erst Mal kommen.

In Zeiten, da die Menschen dem blödeligen Anti-Politiker Horst Schlämmer zujubeln, meidet Merkel jeden Anschein von Parteienhader. Inhaltlich setzt sie auf gnadenlose Umarmung. Alle seien ja in diesen Zeiten für Vollbeschäftigung. Die Auseinandersetzung gehe nur um den Weg.

Umarmt werden die Grünen mit Nachhaltigkeit und die Sozialdemokraten mit dem Plädoyer für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die eigene Stammklientel bekommt die leichte Verstimmung der Kanzlerin über den mangelnden Eifer der SPD (aber auch der EU) beim Bürokratieabbau geschenkt. Dazu eine größere Portion "christliches Menschenbild" und sprachliche Kleinode wie: So wenig Männer würden Erzieher im Kindergarten, weil sie dann "eine schlechte Partie" seien. In heutigem Deutsch: zu wenig Kohle kriegen.

Das weite Feld künftige Beschäftigung schreitet sie ab: Hightech und Haushalt, Innovation und Ehrenamt. Zahlen wie ihr Herausforderer Steinmeier nennt sie nicht. Zu konkret, zu gefährlich. "Das hört sich vielleicht wie eine Vision an", entschuldigt Merkel sich an einer Stelle. "Aber ich glaube, das gehört dazu." Merkels Erfindung: Nichtwahlkampf á la Angie als Wahlkampfstrategie..

Autor:  Thomas Kröter
Datum:  17 | 8 | 2009
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