Mag sein, die streng an den Schädel gegelten Haare sind nicht jedermanns - und jederfraus - Sache. Aber dieses nicht mehr ganz jungenhafte Gesicht, dieses gewinnende Lächeln, diese so lässige wie männliche Haltung - Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, der der Kürze halber das "von und" meist unterschlägt, ist schon ein arger Charmebolzen.
Und reden kann er. Präzise, mit einer Portion Pathos, stets schön "dienen" sagen und Verantwortung tragen "dürfen". Das lernt man auf keiner Rednerschule und nicht in der JU. Jedenfalls nicht allein. Dazu gehört auch, aus einem Jahrhunderte alten Adelsgeschlecht zu stammen. Vater Dirigent, Vorfahren im Widerstand und Regierungsdienst. Verwundert es, dass die Frau Gemahlin eine Urenkelin des "Eisernen Kanzlers" Otto von Bismarck ist?
Aber man(n) wird nicht mit 37 Jahren Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, nachdem man kaum mehr als 100 Tage als CSU-Generalsekretär amtiert hat - wenn man nicht auch heftig nichts sagen kann. Auf die Frage zum Beispiel, was man anders machen will als der werte Vorgänger Michael Glos. Die Menschen seien nun mal verschieden, antwortet der junge Herr zu Guttenberg bei seiner Vorstellung in München. Daraus ergebe sich alles andere. Was er von den aktuelle Verstaatlichungsdebatten halte? Es dürfe kein "Verstaatlichungs-Perpetuum mobile" geben, aber jeder Fall gehöre geprüft. Noch Fragen?
Mit einer Mischung aus Stolz und ein wenig Neid, und sicher auch weil er über das wirtschaftspolitische Profil seines Kandidaten eher wenig zu sagen weiß, berichtet CSU-Chef Seehofer von Guttenbergs Auftritt bei bei der Sicherheitskonferenz. Wie perfekt der Englisch parliert habe, auch über weltwirtschaftliche Fragen. Als sei das heutzutage nicht Grundvoraussetzung für jeden Vorstandsassistenten eines größeren mittelständischen Betriebs. Karl-Theodor zu Guttenberg, war im Bundestag mit Außen- und Sicherheitspolitik beschäftigt, ehe Seehofer ihn zum Generalsekretär berief. Im neuen Amt als politischer Generalist gefragt, hat er sich erstaunlich geschlagen. Vor allem: So manche Grobschlächtigkeit seiner Vorgänger wie aktuellen Kollegen vermieden.
Nun also vom Generalisten wieder zum Fachpolitiker. Diesmal Wirtschaft. Nur für sieben Monate bis zur Wahl. Und dann? Dann könne er nicht sicher sein, in diesem Amt zu bleiben, sagt Seehofer. Zumal nicht, wenn er, wenn CSU und CDU erfolgreich sind. In einem schwarz-gelben Bündnis ist die FDP auf Guttenbergs Kurzzeitressort abonniert. Dass ihm Kompensation versprochen sei, bestreiten beide. "Keine Nebenabsprachen." Der Wähler soll entscheiden. Aha. Aber dann kommt noch die Partei und die CSU-Landesgruppe im Bundestag. Guttenberg macht nicht den Eindruck, als sei ihm vor einer dieser Instanzen bang.
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