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Karl-Theodor zu Guttenberg: Immer öfter Kriegsminister

Nach dem Tod von weiteren vier Deutschen weiß Guttenberg: Die Debatte über den Afghanistan-Einsatz wird Fahrt aufnehmen. Von Steffen Hebestreit

Schlechte Nachrichten aus Afghanistan: Verteidigungsminister Guttenberg    ließ sich  im usbekischen Termes von dem  tödlichen Vorfall berichten.
Schlechte Nachrichten aus Afghanistan: Verteidigungsminister Guttenberg ließ sich im usbekischen Termes von dem tödlichen Vorfall berichten.
Foto: dpa

Berlin. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erfährt die Nachricht vom Tod der vier deutschen Bundeswehrsoldaten, als er auf dem Luftwaffenstützpunkt Termes landet. Eigentlich wollte der CSU-Politiker dort den Regierungs-Airbus besteigen und zurück nach Berlin fliegen, nachdem er zwei Tage lang die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht hatte. Nach kurzem Aufenthalt besteigt er aber wieder einen Bundeswehr-Hubschrauber und fliegt zurück ins deutsche Feldlager von Masar-i-Sharif. "Ich will unmittelbar zurück nach Afghanistan reisen, um bei unseren Soldaten zu sein", sagt Guttenberg vor seinem Abflug. Den Großteil seiner Delegation und die begleitenden Journalisten schickt Guttenberg allerdings zurück nach Berlin.

Es ist ein schwerer Gang für den Verteidigungsminister, der immer mehr zum Kriegsminister geworden ist. Zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal zwei Wochen werden Bundeswehrsoldaten in Afghanistan von Taliban-Kämpfern getötet. Inzwischen hat der Afghanistan-Einsatz 43 Deutsche das Leben gekostet. Allein sieben Soldaten sind getötet worden, seit Guttenberg im Amt ist.

Diesmal sind es vier Soldaten, die im Einsatz sterben, am Karfreitag waren es drei Bundeswehrangehörige gewesen. Nach Informationen von Spiegel-Online befanden sich die Deutschen nahe der Stadt Baghlan, südlich des deutschen Feldlagers von Kundus, gemeinsam mit belgischen und afghanischen Kameraden im Einsatz, als ihr Fahrzeug mit Panzerfäusten angegriffen wurde. Die Granaten sollen die Panzerung ihres Wagens vom Typ "Eagle IV" durchschlagen und alle Insassen getötet haben.

Angeblich war der Einsatz in der Taliban-Hochburg Teil einer Nato-Aktion, um die Provinz zurückzugewinnen. Sechs der acht Provinzen in Nordafghanistan, in denen die Taliban dominieren, befinden sich im Einflussbereich des Feldlagers Kundus.

Die Bundeswehr bestätigt den Vorfall zunächst nicht offiziell, weil erst die Angehörigen der Getöteten informiert werden sollen. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam berichtet später von vier getöteten Soldaten und weiteren fünf Verwundeten. Guttenberg spricht von einem "besonders tragischen Fall", ohne Details zu nennen.

Erst im Januar hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung eine Neuausrichtung der Afghanistan-Strategie beschlossen. Die Bundeswehr soll nun verstärkt aus ihren Feldlagern ausrücken und "Präsenz in der Fläche" zeigen. Gemeinsam mit afghanischen Verbänden sollen Ausbildungsbataillone geschaffen werden, in denen die afghanischen Soldaten angelernt werden und zugleich die Militärs die Taliban zurückdrängen sollen. Auf diese Weise hoffen die Strategen, dem Afghanistan-Einsatz doch noch eine positive Wendung zu geben. Die deutschen Truppen sind dafür noch einmal um 850 auf 5350 Soldaten aufgestockt worden.

Hinter vorgehaltener Hand wird inzwischen selbst im Verteidigungsministerium davon gesprochen, dass es für die Nato nur noch darum gehe, ohne das Gesicht zu verlieren aus Afghanistan herauszukommen. Mit dem neuerlichen Tod von vier deutschen Soldaten wird diese Debatte in Deutschland weiter an Fahrt gewinnen. Auch Karl-Theodor zu Guttenberg wird dies wissen.

Autor:  Steffen Hebestreit
Datum:  15 | 4 | 2010
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