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16. August 2010

Katholische Journalistenschule: Offene Worte unerwünscht

 Von Wolfgang Wagner
Broch warf der Kirche „Bunkermentalität“ vor.  Foto: dpa

Der Leiter der katholischen Journalistenschule, Michael Broch, wird abgelöst - wegen Kritik am Papst.

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Das Institut
        

dpa

Michael Broch (67) war Geistlicher Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses. Die katholische Journalistenschule wurde 1968 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz gegründet.
Zu den Absolventen gehören etwa Moderator Thomas Gottschalk und RBB-Intendantin Dagmar Reim. wow

Die Ablösung des Leiters der katholischen Journalistenschule ifp, Michael Broch, nach einem papstkritischen Interview stößt auf heftigen Protest. Der Deutsche Journalistenverband (DJV), katholische Laienvertreter und Publizisten äußerten sich empört. „Es kann nicht angehen, dass eine Journalistenschule, die anerkannt ist und eine hochwertige Ausbildung macht, handstreichartig zur katholischen Kaderschmiede umfunktioniert wird“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner der Frankfurter Rundschau. Inzwischen trat auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Schule, SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann, zurück.

Der Pfarrer und Wort-zum Sonntag-Sprecher Broch war seit März Geistlicher Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), das von der Bischofskonferenz getragen wird. Im Zuge des Missbrauchsskandals hatte Broch im Mai in einem Interview „Bunkermentalität“ und eine „antiquierte Sexualmoral“ in der Kirche beklagt und gesagt: „Wenn es so weitergeht, fährt Papst Benedikt die Kirche an die Wand.“ Später entschuldigte er sich für die Äußerungen.

Gleichwohl betrieb nach FR-Information vor allem der Kölner Kardinal Joachim Meisner die Ablösung Brochs − gegen den Willen des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Robert Zollitsch und des Medienbischofs Gebhard Fürst. Am Freitag schließlich erklärte Broch offenbar nach monatelangen Ränkespielen seinen Rücktritt. Er begründete dies laut Bischofskonferenz damit, dass er das „Vertrauen zahlreicher Bischöfe verloren“ habe. Zollitsch selbst bedauerte in der Erklärung ausdrücklich den Schritt − und machte damit klar, dass er an Broch festhalten wollte.

Auch der Instituts-Aufsichtsratsvorsitzende Hermann hatte versucht, die Ablösung zu verhindern. Als dies misslang, räumte er seinen Posten, weil er sich nicht mehr in der Lage sehe, in einem Gremium der Bischofskonferenz mitzuarbeiten. Sein „Vertrauensvorrat“ sei verbraucht.

„Recht auf Meinungsfreiheit“

Für die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karin Kortmann, zeigt der Fall, „wie schwer sich die Amtskirche mit Kritik aus den eigenen Reihen tut“. Viele Bischöfe hielten dies für „Nestbeschmutzung“. Dabei hätten sie im Zuge der Missbrauchsdebatte zu mehr Transparenz und Kritik aufgerufen. Die Bischöfe sollten nun wenigstens „die Größe haben, sich inhaltlich mit der Kritik von Pfarrer Broch auseinanderzusetzen“, sagte Kortmann der FR.

Die Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP), ein Zusammenschluss von 560 Journalisten, protestierte ebenfalls. Es sei ein „fatales Signal für die Gesprächskultur in der Kirche, wenn eine offen geäußerte Kritik zu solchen Konsequenzen führt“. Auch Broch habe ein „Recht auf freie Meinungsäußerung“. Die Journalistenschule könne durch den Fall Schaden nehmen.

Auch die Co-Leiterin des ifp, Elvira Steppacher, sieht das Institut nun in einer „schwierigen Lage“. Es wäre bedauerlich, wenn der Ruf der Schule Schaden nehme, sagte sie. An der soliden Ausbildung junger Journalisten werde sich aber nichts ändern.

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