Rom. Joseph Ratzinger ist kein Mann, der seine Haltung ändert - auch nicht, wenn er nun Benedikt XVI. heißt. Mehrfach hat er Positionen, die er bereits als Dekan des Kardinalskollegiums und Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre hatte, im Verlauf seines Pontifikats bestätigt. Hier einige Beispiele:
Im Frühjahr 2005, wenige Wochen nach seiner Wahl zum Papst im April, erteilt Benedikt XVI. in gewohnt kühlem Ton Homo-Ehen und anderen "offenen Beziehungen" eine unmissverständliche Absage.
Jürgen Micksch, Interkultureller Rat: "Holocaust-Leugner gehören auf die Anklagebank und nicht auf Kanzeln und Bischofsstühle."
Johannes Schnettler, Pax Christi: "Der Vatikan und die katholische Kirche insgesamt müssen Bischof Richard Williamson entschieden widersprechen. (...) Er stellt sich in eine Reihe mit denjenigen, die den Holocaust leugnen, mit pseudowissenschaftlichen Methoden zu verharmlosen suchen und eine Revision der Geschichtsschreibung betreiben. Diese Auffassungen belasten den jüdisch-christlichen Dialog und fördern antisemitische Tendenzen in der Kirche."
Matthias Kopp, Sprecher Deutsche Bischofskonferenz: "Der Holocaust kann nicht geleugnet werden, er wird von der katholischen Kirche nicht geleugnet. Williamson wird (...) seine Äußerung zurückziehen müssen. Er hat sich der Lehre anzupassen."
Im Herbst 2005 werden auf der Synode der Bischöfe zwar zahlreiche brennende Themen wie Priestermangel, Kommunion für Wiederverheiratete, Frauenordination, Interkommunion und Zölibat diskutiert - aber nur, um am Ende die vom Papst in seinem Diskussionspapier vorgegebenen rigiden Positionen zu bestätigen.
Im November 2005 wird das Verbot der Priesterweihe für Homosexuelle bestätigt. Homosexuelle Sexualakte bleiben eine "schwere Sünde" und "ein Verstoß gegen das Naturgesetz". Auf der Kanzel ebenfalls nichts zu suchen haben Priesterkandidaten, welche die sogenannte "schwule Kultur unterstützen". Das Priesteramt erfordere eine "affektive Reife", heißt es in der neunseitigen Instruktion - eine Reife, die den Homosexuellen pauschal abgesprochen wird.
Ende 2006 schalten zwei Ärzte dem seit vielen Jahren völlig gelähmten italienischen Muskelschwund-Patienten Piergiorgio Welby auf dessen eigenen Wunsch das Beatmungsgerät ab. Weil er passive Sterbehilfe in Anspruch nahm, verweigern die italienischen Bischöfe mit der Billigung des Papstes dem gläubigen Katholiken Welby ein christliches Begräbnis. Ein Jahr später hält der Vatikan in einem offiziellen Dokument fest, dass Patienten im Koma verpflichtend künstlich ernährt werden müssen.
Im März 2007 spricht die Glaubenskongregation ein Lehrverbot gegen den Befreiungstheologen und Jesuitenpater Jon Sobrino aus San Salvador aus. Die Kongregation wirft dem Theologen vor, zu sehr die Solidarität mit den Armen und Unterdrückten in der Welt zu betonen.
Im Juli 2007 erklärt der Papst Messen in lateinischer Sprache und im alten Ritus, wie sie vor der Reform des Vatikanischen Konzils gefeiert wurden, für generell zulässig.
Ebenfalls im Juli 2007 spricht der Vatikan in einem von Benedikt XVI. ausdrücklich gutgeheißenen Papier den protestantischen Glaubensgemeinschaften einmal mehr ab, richtige Kirchen zu sein.
Im Juli 2008, in seiner Botschaft zum 40. Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika "Humanae Vitae" ("Pillen-Enzyklika"), bekräftigt Benedikt XVI. das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung. Auch das Kondomverbot wird nicht gelockert, obwohl der Gebrauch der Überzieher die Ansteckung mit tödlichen Krankheiten verhindern kann.
Im Dezember 2008 bestätigt der Vatikan in der Instruktion "Dignitas Personae" (Die Würde der Personen) bekannte bioethische Prinzipien: Die katholische Kirche sagt Nein zur künstlichen Befruchtung im Reagenzglas, Nein zum Einfrieren von Embryonen, Nein zur Forschung mit embryonalen Stammzellen, Nein zur "Pille danach" und zur Abtreibungspille RU-486, Nein zur Präimplantationsdiagnostik und Nein zum Klonen von Menschen.
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