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19. Januar 2013

Katholisches Krankenhaus: Abgewiesen aus Angst vor Täuschung

 Von 
Die Chefärztin für Gynäkologie am St. Vinzenz Krankenhaus, Wencke Ruhwedel (l), und die Leiterin der Stabsstelle Ethik der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria, Sylvia Klauser, bei einer Pressekonferenz.  Foto: dpa

Zwei katholische Krankenhäuser in Köln verweigern einer vergewaltigten Frau die Behandlung. Jetzt rechtfertigt die Kirche die unterlassene Hilfeleistung.

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Köln –  

Auch Angst vor arglistiger Täuschung soll die katholische Krankenhaus-Stiftung der Cellitinnen bewogen haben, ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abzuweisen. Cellitinnen-Sprecher Christoph Leiden bestätigte der Berliner Zeitung, dass in mindestens einem Fall zuvor eine „Testerin“ in ein Haus der Stiftung gekommen war, nach angeblichem ungeschütztem Geschlechtsverkehr die „Pille danach“ verlangt und diese auch bekommen hatte. Diese Information sei an das Erzbistum Köln weitergegeben worden.

Der rechtslastige Fernsehsender Gloria TV hatte ebenfalls berichtet und die Tatsache skandalisiert, dass katholische Kliniken die „Pille danach“ ausgäben, obwohl die Kirche das verbietet. Eine Bistumssprecherin verurteilte die Praxis vorgetäuschter Notlagen, um Klinikpersonal hereinzulegen und dann anzuschwärzen. „Das geht gar nicht. Denunziation hat bei uns keinen Platz.“ Auch Cellitinnen-Sprecher Leiden sprach mit Blick auf die Täuschung von Ärzten und Pflegepersonal von einem unbegreiflichen Vorgehen „extremer Gruppen, die für sich in Anspruch nehmen, katholisch zu sein“.

In dieser Woche war bekanntgeworden, dass zwei katholische Kliniken in Trägerschaft der Cellitinnen ein Vergewaltigungsopfer mit der Begründung abgewiesen hatten, die Behandlung hätte womöglich eine Aufklärung über die „Pille danach“ beinhaltet. Die Klinikverantwortlichen sprachen von einem bedauerlichen Missverständnis und beteuerten, die Pflicht zur Notfallbehandlung und Hilfeleistung gelte in ihren Häusern uneingeschränkt.

Schulterzuckend weggeschickt

Allerdings werden inzwischen neue Vorwürfe laut. So unterblieb im Kölner St.-Franziskus-Hospital die Behandlung einer Frau, die mit Verdacht auf Vergewaltigung in die dortige Ambulanz gekommen war. Träger ist – wie bei den anderen beiden Häusern – die Stiftung der Cellitinnen.

Der Kölner Unternehmer Michael K. und seine Kollegin Valentina G. (Namen sind der Redaktion bekannt), berichteten, dass sie am frühen Morgen des 7. April 2012 eine junge Frau auflasen, die augenscheinlich traumatisiert und ohne Erinnerung war. Der Gürtel der Frau war zerrissen, weswegen K. und G. eine vorangegangene Vergewaltigung vermuteten. Sie brachten die unentwegt weinende Frau gegen 5:30 Uhr in die Notfall-Ambulanz des Franziskus-Hospitals.

Der dort Zuständige lehnte eine Behandlung mit den Worten ab, er wisse nicht, was er jetzt machen solle. Weitere Kollegen, die aufgrund eines lautstark geführten Wortwechsels hinzukamen, blieben untätig. „Die haben schulterzuckend vor uns gestanden und uns plump wieder weggeschickt“, sagte G. In ihrer Verunsicherung wandten sich K. und G. an die Polizei, die ihnen riet, ein anderes Krankenhaus aufzusuchen.


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Keine Unterstützung

Im St.-Vinzenz-Hospital sei die Patientin dann untersucht und sofort stationär aufgenommen worden. Wie G. weiter berichtete, rief eine Polizistin sie später noch einmal eigens zurück, um sich den Vorfall im Franziskus-Hospital schildern zu lassen. „Die hat gemeint, das ist ein Unding.“ Auch er habe sofort gesagt, „das ist doch unterlassene Hilfeleistung“, betonte Michael K. Cellitinnen-Sprecher Christoph Leiden versprach, den Vorgang aufzuklären.

Da im Franziskus-Hospital aber keine Behandlung stattgefunden habe, sei auch keine Patientenakte vorhanden. Zudem habe die Klinik keine gynäkologische Fachabteilung, so dass die Patientin dort gar nicht adäquat hätte behandelt werden können und man sie ohnehin an ein geeignetes Haus hätte verweisen müssen.

K. und G. betonten demgegenüber, genau dies sei aber ebenso unterblieben wie das Angebot eines Krankentransports oder andere Unterstützung. „Wir sind einfach auf Verdacht ins nächstbeste Krankenhaus weitergefahren.“

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