„Ohne die Förderung des Bundes werden etwa 200 Standorte ihre Arbeit einstellen müssen“, klagt Walter Würfel, Sprecher des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit.
Dabei geht es um die sogenannten Kompetenzagenturen und das Programm „Schulverweigerung – die 2. Chance“. Letzteres soll Schulabbrecher, die ohne Abschluss oft chancenlos auf dem Arbeitsmarkt sind, wieder in den Schulalltag integrieren. Gut 6500 Jugendliche haben im vergangenen Förderjahr diese Hilfe in Anspruch genommen. Knapp 33000 suchten die Unterstützung der Kompetenzagenturen. Für beide Programme läuft die bisherige Förderung im August aus.
„Wir haben immer mehr Jugendliche mit komplexen Problemen“, sagt Barbara Müller, Leiterin der Kompetenzagentur im Landkreis Zwickau. Zwei Drittel seien überschuldet, viele nähmen Drogen, hätten Schwierigkeiten in der Familie. Müllers Fallmanager kümmern sich um die Jugendlichen, die durch alle Raster gefallen sind. Sie suchen sie zu Hause auf, begleiten sie zum Jobcenter und zum Berufsberater, aber auch zur Sucht- oder Schuldnerberatung. Eine zeitliche Beschränkung gibt es nicht. Es ist ein zähes Geschäft, das sich aber durchaus lohnt. Denn Müllers Schützlingen bliebe sonst meist nur Hartz IV – oft ein Leben lang.
Doch die ungewisse Zukunft belastet Müller und ihre Mitarbeiter. „Den Jugendlichen sagen wir natürlich nicht, dass sie vielleicht in ein paar Monaten nicht mehr zu uns kommen können“, sagt Müller. Das stelle hohe Anforderungen an ihr Team. Zudem verursache die Ungewissheit auch Kosten. So könnten Mietverträge nur befristet abgeschlossen, Sozialarbeiter nur befristet eingestellt werden.
Kommunen fehlt das Geld
„Das Programm besteht seit 2006, es hat sich etabliert, wir haben viel investiert“, sagt Michael Kaden, der in Jena die Kompetenzagentur leitet. Umso weniger Verständnis hat er dafür, „dass jetzt alles auf der Kippe steht, was hier geleistet wurde, zumal der Bedarf nicht weniger wird“. Da entstehe der Eindruck, in Berlin werde öffentlichkeitswirksam ein Programm aufgesetzt um zu zeigen, wir tun was, und später verschwinde es klammheimlich wieder.
Das zuständige Bundesjugendministerium will von Kürzung nicht sprechen. Vielmehr sei es gelungen, 50 Millionen Euro für die Fortsetzung bis Ende 2013 bereitzustellen, heißt es auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Und zwar „aufgrund des Erfolgs und der Qualität beider Programme“. Für die Laufzeit vom September 2008 bis August 2011 hatte der Bund allerdings noch insgesamt 144 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Die Kommunen können den Ausfall kaum auffangen. Sie sind schon jetzt mit bis zu einem Drittel an der Finanzierung beteiligt, für mehr fehlt – vor allem in den strukturschwachen Regionen, etwa in Ostdeutschland – das Geld. „Der Bund hat das Programm aufgelegt, weil er es für wichtig hielt, nun soll er auch die Finanzierung regeln“, fordert Barbara Müller. Und Bernd Pastoors, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft regionaler Träger der Jugendsozialarbeit, ergänzt: „In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ist es unbegreiflich, dass Zehntausende Jugendliche ohne Förderung auf der Strecke bleiben sollen.“
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