kalaydo.de Anzeigen

Kinderbetreuung: Noch lange nicht genug

Immer mehr Kleinkinder in Deutschland werden in Kindergärten oder von Tagesmüttern betreut. Doch der Bedarf ist noch längst nicht gedeckt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Von Katja Tichomirowa

Das Bundesland Berlin gibt das meiste Geld für Kinderbetreuung aus. Hessen liegt ziemlich weit hinten.
Das Bundesland Berlin gibt das meiste Geld für Kinderbetreuung aus. Hessen liegt ziemlich weit hinten.
Foto: FR/Galanty

Berlin. Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen steigt. Das geht aus dem "Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme" hervor, den die Bertelsmann-Stiftung am Montag vorgestellt hat. Der Studie zufolge übersteigt die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen das Angebot um ein Vielfaches.

Immer mehr Kinder unter drei Jahren werden demnach von Tagesmüttern oder in Kindertagesstätten betreut. Jedes fünfte einjährige Kind besuchte im vergangenen Jahr eine entsprechende Einrichtung. Bei den Zweijährigen waren es 40 Prozent.

Betreuungslücke

In Deutschland fehlen noch mindestens 348.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Ihre Schaffung sei Voraussetzung, um Eltern ab 2013 wie geplant einen Rechtsanspruch auf die Kinderbetreuung garantieren zu können. Das geht hervor aus einer Stellungnahme des Familienministeriums zu einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag über den Betreuungsausbau.

Demnach gab es im Vorjahr bundesweit 401.796 öffentliche Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. 2007 seien es noch knapp 304.000 gewesen.

Bund und Länder hatten bis zum Jahr 2013 eine Betreuungsquote von 35 Prozent vereinbart. Das entspricht etwa 750.000 Plätzen. Laut Städte- und Gemeindebund liege der Bedarf aber deutlich höher. (kna/FR)

Im Westen Deutschlands erreicht die Betreuungsquote bei den Dreijährigen inzwischen 80 Prozent und selbst in Ostdeutschland, wo zuvor schon deutlich mehr Kinder in Tageseinrichtungen betreut wurden als in Westdeutschland, ist die Nachfrage noch einmal gestiegen. Dort werden inzwischen 60 Prozent der Einjährigen in Krippen betreut.

Die von der Bundesregierung angestrebte Betreuungsquote von bundesweit 35 Prozent für unter Dreijährige dürfte damit Makulatur sein. Sie wird nicht ausreichen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus. Den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, den Eltern ab August 2013 haben werden, sieht Articus durch sie jedenfalls nicht gewährleistet. Er forderte, das Bundesfamilienministerium müsse den tatsächlichen Bedarf neu berechnen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hatte bereits im Mai erklärt, der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres orientiere sich nicht an der 35-Prozent-Quote. Der Bedarf liege weit über 35 Prozent. Auch die Bertelsmann-Studie belegt, dass die Nachfrage höher sein wird: "Die Zahlen zeigen, dass der Bedarf nach frühkindlicher Bildung weiter steigt und nicht bei irgendeiner Prozentmarke stehen bleibt", sagte die Studienleiterin der Stiftung, Anette Stein.

Allein um die 35-Prozent-Quote erfüllen zu können, rechnet der DStGB mit einer Kostensteigerung um bis zu 16 Milliarden Euro. 2008 gaben die Kommunen bereits 13 Milliarden für die Kindertagesbetreuung aus. Der Bund hatte den Finanzbedarf für den Ausbau der Kinderbetreuung 2007 auf zwölf Milliarden Euro geschätzt.

Grünen-Chef Cem Özdemir sprach von einem "Alarmsignal". Die Politik dürfe den Ausbau der Kinderbetreuung angesichts der großen Nachfrage nicht weiter vernachlässigen. Die Linke-Politikerin Diana Golze forderte vom Bund, sich "umfassend" an den Kosten für die Betreuung zu beteiligen.

Der Ländervergleich der Bertelsmann-Studie dokumentiert erstmals, dass die Ausgaben der Bundesländer für frühkindliche Bildung sehr unterschiedlich ausfallen. Während Berlin im Jahr 2007 durchschnittlich rund 4150 Euro für jedes Kind unter sechs Jahren investierte, waren es in Schleswig-Holstein nur rund 2000 Euro.

Neben Berlin liegt Hamburg an der Spitze, am unteren Ende stehen neben Schleswig-Holstein auch Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Hessen hat seine Ausgaben für frühkindliche Betreuung demnach gesteigert. 2007 gab das Land im Schnitt 2650 Euro für jedes Kind unter sechs Jahren aus, 350 Euro mehr als im Jahr 2005.

Der "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2010" basiert auf amtlichen Statistiken und öffentlichen Haushalten. Forscher des Deutschen Jugendinstituts und der Technischen Universität Dortmund werteten die Informationen für die Bertelsmann Stiftung aus. Die verwendeten Daten sind drei Jahre alt, neuere standen nicht zur Verfügung.

Autor:  Katja Tichomirowa
Datum:  29 | 6 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!