Stuttgart. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss steht wegen der Kinderporno-Affäre vor dem Ende seiner politische Karriere. Die baden-württembergische SPD-Landtagsfraktion forderte Tauss am Dienstag ultimativ zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag auf. Er müsse sich zurückziehen, "um Schaden von der SPD abzuwenden", heißt es in einem Brief von SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel an Tauss, der der dpa vorliegt. SPD-Landeschefin Ute Vogt sagte: "Ich hoffe, dass wir in den nächsten ein, zwei Tagen eine Entscheidung haben."
Tauss selbst hatte einen Rückzug von der Kandidatur nicht mehr ausgeschlossen. Er steht bisher auf dem aussichtsreichen Platz 7 der Landesliste für die Bundestagswahl. Der 55-Jährige hatte jedoch angekündigt, mit seiner Entscheidung bis Ostern warten zu wollen. Die Unions-Fraktion im Bundestag forderte die SPD auf, es müsse "Schluss mit der Rumlaviererei" sein.
Vogt sagte, die fortdauernden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe wegen des Verdachts auf Kinderpornografie seien eine "belastende Situation" für die SPD im Superwahljahr. Zugleich erklärte die Landeschefin, sie wolle Tauss die Gelegenheit geben, sich selbst zu erklären. Da "die Staatsanwaltschaft länger braucht, als wir erhofft hatten", müsse es jetzt eine Entscheidung geben.
SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck sagte am Dienstag nach einem Gespräch mit Tauss in Berlin, er gehe davon aus, dass dieser mit seiner Landespartei klären werde, ob er sein Parlamentsmandat behalten und ob er erneut für den nächsten Bundestag kandidieren wolle. Nach dpa-Informationen aus SPD-Kreisen in Stuttgart dringt jedoch auch die Bundestagsfraktion auf seinen Rückzug.
Tauss hatte am Dienstag im SWR erklärt, die Frage der Kandidatur sei "offen". Er wolle seinen Entschluss nach Beratungen mit der Partei bis Ostern fassen. "Ein Kandidat, der allein Wahlkampf macht, der ist natürlich ziemlich verloren", räumte er ein. Der SPD- Politiker hält sich auch nach der zweiten Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft am Montag für unschuldig: Er habe das Porno- Material im Zusammenhang mit seinen Recherchen als Abgeordneter und Medienexperte genutzt, beteuert er. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm das aber nicht.
Tauss war nach Aufkommen der Vorwürfe Anfang März von seinem Amt als Generalsekretär der Südwest-SPD zurückgetreten und hatte auch seinen Posten als medienpolitischer Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion aufgegeben, nachdem in seiner Berliner Wohnung Kinderporno-Bildmaterial gefunden worden war. (dpa)
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