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18. Juni 2011

Kirche: Kein Sex bitte, wir sind katholisch

 Von Wolfgang Wagner
Knutschen mit Rosenkranz – oder nur beten?  Foto: dapd

Drei Tage lang wollte die Akademie des Bistums Rottenburg-Stuttgart im Oktober über Sexualität und Kirche debattieren. Doch jetzt hat Bischof Gebhard Fürst die ganze Tagung verboten.

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Die offizielle Begründung für das Verbot lautete: Der wegen der Kirchenkrise initiierte Dialogprozess zwischen Kirchenleitung und Basis solle nicht gestört werden. „Bischof Fürst befürchtet, dass die genannte Tagung in dieser Situation zu Polarisierungen führt, die ein Gespräch zwischen den Vertretern der unterschiedlichen theologischen und kirchenpolitischen Richtungen sehr erschweren oder unmöglich machen würde“, schreiben die Organisatoren in ihrer Absage. Sie liegt der Frankfurter Rundschau vor.

Die Studientagung von Katholischer Akademie, Katholischer Erwachsenenbildung und mehreren Fachbereichen der Diözese Rottenburg-Stuttgart stand unter dem Titel „Let’s think about Sex“. Dabei sollte es um das schwierige Verhältnis von katholischer Sexualmoral und offener Gesellschaft gehen. Die katholische Kirche führe in Sachen Sexualität „einen Monolog“ und habe „jede Möglichkeit, moralisch zu gestalten, verspielt“, hießt es in der Ankündigung. Dies wiege umso schwerer, als die Kirche beim Missbrauchsskandal „über ihre hohen Ansprüche selber stolperte“.

„Einseitiger“ Referentenkreis

Nach Auskunft des Bistums war vor allem der Referentenkreis Grund des Verbots. „Die Zusammensetzung war Bischof Fürst nicht ausgewogen genug“, sagte Bistumssprecher Uwe Renz der FR. Es fehle ein „Gegengewicht“. In der gegenwärtigen Situation würde die Veranstaltung „Öl ins Feuer gießen“. Die Tübinger Theologin und Philosophin Regina Ammicht Quinn, selbst als Referentin vorgesehen, hält Fürsts Entscheidung für einen „Skandal“. Es sei „genuine Aufgabe der Kirche“, sich mit den Ursachen des Missbrauchsskandals in ihren Reihen zu befassen, sagte sie der FR. Bleibe dies aus, setze die Kirche das Verschweigen gleichsam fort.

Den Vorwurf der Einseitigkeit wies sie zurück: „Das ist eine wissenschaftliche Tagung. Es geht nicht um Bekenntnisse.“ Im Übrigen sei die Tagung seit einem Jahr geplant, der Bischof einbezogen gewesen. Gemeinsam mit weiteren Referenten, unter ihnen FR-Chefredakteur Joachim Frank, bemüht sich Ammicht Quinn nun, die Veranstaltung in anderem Rahmen stattfinden zu lassen.

Akademie-Direktorin Verena Wodtke-Werner und die anderen Organisatoren bedauern die Entscheidung des Bischofs. Sie bestätigte der FR, dass Fürst informiert war. Die Akademie habe sich im Übrigen um Ausgewogenheit bemüht. So war der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Moraltheologen, Konrad Hilpert, als Referent eingeladen. Dass die Tagung noch stattfinden werde, glaubt Wodtke-Werner nicht: „Das ist vorbei.“

Der groß angekündigte Dialogprozess soll hingegen jetzt erst beginnen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hatte das Projekt im Herbst 2010 vorgestellt und das offene Gespräch auch über „sperrige Themen“ wie Sexualmoral oder Zölibat angekündigt. Die Begeisterung seiner Mitbrüder hält sich in Grenzen. Viele dämpfen Hoffnungen, in den großen Streitfragen könne sich wirklich etwas bewegen. Andere mauern völlig. 300 Laien sind zum Auftakt am 8. und 9. Juli in Mannheim eingeladen – abgesehen vom Motto „Im Heute glauben“ wissen sie nichts.

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