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26. September 2012

Kirchenaustritt: Hartmut Zapp, der Angstgegner der Bischöfe

 Von Joachim Frank
Hartmut Zapp rebelliert gegen die Kirchensteuer. Foto: dapd

Viele Kirchenkritiker träumen davon, Hartmut Zapp hat es geschafft: die Bischöfe im Alleingang das Fürchten zu lehren. Er tritt zwar aus der Kirche aus, fühlt sich der Glaubensgemeinschaft aber weiter zugehörig. Das muss jetzt rechtlich geklärt werden.

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Viele Kirchenkritiker träumen davon, Hartmut Zapp hat es geschafft: die Bischöfe im Alleingang das Fürchten zu lehren. Er tritt zwar aus der Kirche aus, fühlt sich der Glaubensgemeinschaft aber weiter zugehörig. Das muss jetzt rechtlich geklärt werden.

2007 erschien der emeritierte Freiburger Professor für Kirchenrecht in seiner Heimatgemeinde Staufen (Breisgau) auf dem Standesamt und erklärte seinen Austritt aus der katholischen Kirche. Im Formular ließ er einen Zusatz anbringen: Er verlasse nur die „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Der Kirche als Glaubensgemeinschaft fühlt er sich weiter zugehörig. Ob diese Zweiteilung rechtens ist, das wird sich an diesem Mittwoch zeigen, wenn sich das Bundesverwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigt.

Denn Zapps spitzfindige Unterscheidung hat es in sich: Mit dem Austritt aus der vom Staat anerkannten Körperschaft erlischt von Amts wegen die Pflicht, Kirchensteuer zu zahlen. Kein Wunder, dass die Bischöfe sogleich Feuer unterm Dach rochen. Zapps Oberhirte Robert Zollitsch, auch Vorsitzender der Bischofskonferenz, zog vor Gericht. Erst in zweiter Instanz folgte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg Zollitschs Argumentation, es dürfe beim Kirchenaustritt keine halben Sachen geben.

Austritt bedeutet Verlust sämtlicher Rechte

Der Austritt sei „eine willentliche und wissentliche Distanzierung von der Kirche“ und „eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft“, so dekretierten die Bischöfe erst vorige Woche. Konsequenz eines Austritts: der Verlust sämtlicher Rechte. Kein Kommunionempfang mehr, keine kirchliche Trauung oder Beerdigung, weder Sitz noch Stimme in kirchlichen Gremien – Strafe muss sein. Außerdem, so die Bischöfe, dokumentiere der Ausgetretene ja selbst, dass er mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wolle.

Zapp sieht es anders: Durch das Taufsakrament sei er Glied der Kirche. Dieses heilige Gut verlieren, nur weil das Finanzamt nichts mehr von der Lohnsteuer für die Kirche abzweigt? Das will ihm als Theologen nicht in den Kopf. An diesem Mittwoch entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, auf wessen Seite sich der Staat schlägt.

Austreten
Glied der Kirche
Rückkehr
Gründe

Eine reine Formalie ist heutzutage bei beiden großen Konfessionen ein Kirchenaustritt. Man geht zum zuständigen Amtsgericht, füllt ein entsprechendes Formular aus, bezahlt und ist draußen.


Der Ausgetretene bleibt auf Grund seines Getauftseins zwar Glied der katholischen Kirche, aber er verliert viele wichtige Rechte als Mitglied der Kirche. Darunter die Teilnahme an den Sakramenten, das Recht der Ausübung des Dienstes als Tauf- und Firmpate und die mögliche Verweigerung eines kirchlichen Begräbnisses.

Eine Rückkehr in den Schoß der katholischen Kirche ist immer möglich. Das ist aber laut einem Hirtenwort zur österlichen Bußzeit nicht gleichzusetzen mit einem Wiedereintritt in irgendeinen Verein. Es muss „aufrichtige Reue und echte Umkehrbereitschaft“ vorliegen. In der Regel wird die Wiedereingliederung in Gegenwart zweier Zeugen von einem Pfarrer vorgenommen, der von einem Bischof dazu bevollmächtigt worden ist.

Beim „Wiedereintritt“ handelt es sich nach evangelischem Verständnis eigentlich um eine Wiederaufnahme. In dieser Unterscheidung kommt zum Ausdruck, dass bei einer Aufnahme der Aufnehmende (hier die Kirche) mitentscheidet und die Rechtshandlung nicht allein vom Willen des Eintretenden abhängt. Bei dem Gespräch geht es um ein Kennenlernen und um die Gründe für den Austritt oder den Wiedereintritt. (tw)

Obwohl Zapp den Rechtsstreit bis zur höchsten Instanz getrieben hat, will er kein katholischer Zorro sein, der um jeden Preis Krawall schlägt. Dafür ist der 73-Jährige zu zurückhaltend, zu dröge im Auftreten. Medienanfragen geht er aus dem Weg, seine wenigen Interviews lesen sich wie wissenschaftliche Aufsätze. Im Selbstversuch, sagen Bekannte, kämpft er ums Prinzip. Theologisch gesehen gibt es nämlich gar keinen Austritt aus der Kirche. Der Getaufte kann sich allenfalls von ihr lossagen, indem er zentrale Glaubenswahrheiten bestreitet. Das aber ist bei Zapp nach eigenem Bekunden nicht der Fall.

Trotzdem hat er schlechte Karten, seit Rom das Dekret der Bischöfe zum Kirchenaustritt abgesegnet hat. Bis dahin hatte selbst der Vatikan seine liebe Not mit dem deutschen Staatskirchenrecht. Jetzt aber haben beide Seiten die Reihen geschlossen: Der Austritt führt zum Rauswurf. Keine Chance für Ja-aber-Christen à la Zapp. Amen. Es wäre erstaunlich, wenn Leipzig als weltliches Gericht diese Linie unterliefe.

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