München. Das Bild von den kleineren Brötchen, die man diesmal gebacken habe, wie eine Heidelberger Theologie-Studentin im Foyer der katholischen St. Maximilian-Kirche süffisant anmerkt, ist wunderbar doppelsinnig:
In München hat es anders vor sieben Jahren in Berlin kein medienwirksam inszeniertes gemeinsames Abendmahl gegeben, sondern einen priesterlosen Gottesdienst, bei dem an Gläubige Roggensemmeln verteilt wurden.
Die Anti-Baby-Pille bleibt Zündstoff im Dialog zwischen den beiden großen Kirchen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, widersprach Äußerungen der evangelischen Pastorin und ehemaligen Bischöfin Margot Käßmann, die beim Ökumenischen Kirchentag in München die vor 50 Jahren erfundene Pille als "ein Geschenk Gottes" gelobt hatte.
Zollitsch dagegen verteidigte am Samstag die ablehnende Haltung des Vatikans gegenüber die Empfängnisverhütung. Die Pille sei von Menschen gemacht und nicht von Gott in die Welt
geschickt worden, sagte Zollitsch bei
einer Pressekonferenz. (dpa)
Auch um unbotmäßigen Priestern, die gewagt hätten, das katholische Verbot der Interkommunion zu ignorieren, nicht Bestrafungsmaßnahmen auszusetzen, waren bei diesem "Gedächtnismahl" nur Laien beteiligt.
Ob der Gottesdienst ohne Pfarrer einen Durchbruch auf dem Weg zum eigentlichen Ziel darstellt, dem Abendmahl für alle, oder ob man vor den Drohgebärden der katholischen Amtskirche eingeknickt ist, wird anschließend kontrovers diskutiert.
Ökumenische Avantgarde
Die symbolischen Aktionen, darunter eine Menschenkette am Samstag zwischen Liebfrauendom und der evangelischen Hauptkirche St. Matthäus, gehen vielen wie dem katholischen Theologieprofessor Gotthold Hassenhüttl nicht weit genug.
Er war nach einem Eklat beim ersten Ökumenischen Christentreffen suspendiert worden und spricht nun von "Ökumene light". Halbe Sachen möchte er auch diesmal keine machen: Bei einem Gottesdienst teilte er gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen auch das Abendmahl aus.
Abendmahl, Kommunion - Gedächtnisfeier oder reale Präsenz Gottes - mit solchen Feinheiten plagen sich die Jugendlichen in München nicht lange herum. Im Jugendzentrum auf dem Olympiagelände sollen sie "viel Spaß und Zeit zum Chillen haben" (Pro grammheft), aber auch über Glauben diskutieren.
Bei den Workshops wird deutlich, dass sie sich als ökumenische Avantgarde verstehen. Konfessionelle Grenzen und erst recht kirchenamtliche Bestimmungen lösen bei den Konfirmanden und Firmlingen höchstens Achselzucken aus.
Den 25.000 Kirchentagsbesuchern, die sich trotz Temperaturen unter zehn Grad an die weiß gedeckten Biertische auf dem Odeonsplatz gesetzt und zweieinhalb Stunden bei den "Orthodoxen Vesper" ausgeharrt haben, ist es ernst mit dem Wunsch nach Einheit.
"Gefühl der Zusammengehörigkeit"
Manche bemühen dem ausgesprochen symbolträchtigen Mahl mit Fladenbrot und Wein, das an das "Liebesmahl" der Urkirche erinnern soll, sogar das große Wort Sehnsucht. Als der evangelische Kirchentagspräsident Eckhard Nagel ein heraufziehendes neues Zeitalter der Ökumene beschwört, erntet er viel Beifall.
Eine junge Nonne füllt den Becher ihres Nachbarn mit Landwein. Sie schwärmt von "diesem unheimlich starken Gefühl der Zusammengehörigkeit", das sie sich nicht von den "ewigen Miesmachern" zerreden lassen will. Von einem wie dem Hamburger Religionspädagogen Fulbert Steffensky zum Beispiel, dem das alles zu sehr von den eigentlichen Problemen der Ökumene ablenkt. "Da wird eine Wunde zu gekleistert, aber ich will, dass sie sichtbar bleibt."
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