Anwohner und Salzrechte-Inhaber haben mit ihrer Klage gegen die Endlagersuche die Erkundung in Gorleben vorerst gestoppt. Einen von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) angeregten Runden Tisch lehnen sie ab.
Mit Baumstämmen blockieren Atomkraftgegner in Göhrde eine Straße (02.10.2010). Mit vielen einfallsreichen Aktionen hatten mehrere hundert Atomkraftgegner im Wendland gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als Atomendlager protestiert.
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Mit Baumstämmen blockieren Atomkraftgegner in Göhrde eine Straße (02.10.2010). Mit vielen einfallsreichen Aktionen hatten mehrere hundert Atomkraftgegner im Wendland gegen die Weitererkundung des Salzstocks Gorleben als Atomendlager protestiert.
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Berlin –
Betroffene Gorlebener und die Organisation Greenpeace haben am Dienstag beim Verwaltungsgericht Lüneburg eine „Anfechtung“ dagegen eingereicht, dass im September der Rahmenbetriebsplan zur Salzstock-Erkundung von 1982 verlängert wurde.
Wie der Anwalt der Kläger, Ulrich Wollenteit, gestern in Berlin erklärte, habe das „aufschiebende Wirkung“ für die Genehmigung. Die im Oktober begonne Erkundung müsse bis zur Klärung der Rechtsfrage unterbrochen werden. Aus dem Bundesumweltministerium, das für die Erkundung zuständig ist, hieß es, dass ohnehin noch nicht am Schacht gearbeitet werde. Bisher laufe noch die theoretische Vorbereitung.
Die Anwohner machen mit der Klage ihre Beteiligungs- und Eigentumsrechte geltend, sagte Wollenteit. So wichen Lage der Erkundungsschächte und geplante Müllmenge klar vom 1982 genehmigten Betriebsplan ab. Selbst das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz habe das 1993 dem Ministerium gemeldet. Laut Greenpeace macht das eine neue Genehmigung nötig. Das vermeide die Politik, weil das 1990 novellierte Bergrecht Bürgerbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfung vorschreibt. Ohnehin müsse die Erkundung längst nach Atomrecht vollzogen werden, da viele Entscheidungen auf eine Vorfestlegung auf den Standort hinweisen, etwa die Zwischenlagerung von Atommüll vor Ort. Auch sei bei früheren Verfahren nicht berücksichtigt worden, dass seit Juli 1977 ein Planfeststellungsverfahren nach niedersächsischem Recht läuft. Die Entscheidung werde offenbar verschleppt.
Anwohner lehnen Röttgen-Angebot ab
So lange der Dialog mit den Bürgern, zu dem Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) jüngst eingeladen hatte, unter diesen Bedingungen laufe, werden die Gorlebener nicht teilnehmen, erklärte Asta von Oppen, Sprecherin der Rechtshilfe Gorleben im Namen aller örtlichen Bürgerinitiativen. Röttgen hatte einen Runden Tisch oder Mediatorengespräch nach Vorbild von Stuttgart-21 angeregt. Das gaukle Bürgerbeteiligung nur vor, sagte von Oppen.
Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg gegen die Gegner des Castor-Transports nach Gorleben schreiten voran. Man habe gegen elf Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Ermittlungsverfahren eingeleitet, die den Aufruf „Castor Schottern“ unterzeichnet haben. Man verdächtige sie, zu Straftaten aufzurufen, sagte Staatsanwaltschaftssprecherin Angelika Klee der FR. Die Staatsanwaltschaft habe den Bundestagspräsidenten über die Ermittlungen unterrichtet und so den Schutz der Politiker vor Strafverfolgung aufgehoben: „Die Abgeordneten sind damit nicht mehr immun.“
Der linke Bundestagsabgeordnete Jan van Aken hält die Mitteilung der Staatsanwaltschaft für eine „Einschüchterungsmethode“ und will sich nicht beeindrucken lassen. „Diese Atompolitik ist derart undemokratisch, dass Widerstand zur Pflicht wird“, sagt van Aken der FR. „Ich halte das gewaltfreie Schottern für ein legitimes Mittel zivilen Ungehorsams.“
Atommüllentsorgung: Die Gorleben-Story
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Atommüllentsorgung: Die Gorleben-Story
Im niedersächsischen Gorleben sollte nach den Plänen von Bundes- und Landesregierung von 1977 ein komplettes atomares Entsorgungszentrum entstehen. Geplant waren ein Zwischenlager für Castor-Behälter, eine Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) für abgebrannte Kernbrennstoffe sowie ein Endlager tief unten im Salzstock. Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) präsentierte den Standort bei einer Pressekonferenz im Februar 1977 in Hannover.
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Der gewählte Standort für das atomare Entsorgungszentrum liegt rund zwei Kilometer südlich der Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Die Region befindet sich an der früheren Grenze zur DDR und ist dünn besiedelt.
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Entgegen der Erwartung von Ministerpräsident Albrecht bildete sich schnell eine starke Protestbewegung. 1979 nahmen an einem "Treck nach Hannover" mehr als 100.000 Menschen teil. Albrecht sah ein, dass das große Entsorgungskonzept keine Chance hatte. Er erklärte, eine WAA-Atomfabrik sei "politisch nicht durchsetzbar".
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Die Pläne für das Zwischenlager, in dem Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen und verglaste hochradioaktive Abfälle untergebracht werden sollten, und für das Endlager wurden jedoch weiter verfolgt.
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Das Zwischenlager wird seit 1984 betrieben. Die Lagerhalle für Behälter ist 4500 Quadratmeter groß und fünf Meter hoch.
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Die regelmäßigen Castor-Transporte nach Gorleben aus der französischen WAA in La Hague, wo abgebrannte Brennstäbe bis zum Jahr 2005 angenommen wurden, sind stets von starken Protesten begleitet.
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Spektakuläre Aktionen, wie hier von Robion Wood, konnten den Transport jedoch allenfalls verzögern.
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Immer wieder blockierten Demonstranten - gut bewacht von der Polizei - den Schienenweg in Richtung Gorleben.
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Mit der Hartnäckigkeit der Demonstranten hatte die Polizei oft ihre liebe Mühe.
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Auch Greenpeace gehörte immer wieder zu den wichtigen Impulsgebern der Demonstrationen.
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Menschen aus ganz Europa demonstrieren regelmäßig gegen die Castor-Transporte.
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1979 begann die Untersuchung des Salzstocks, die Aufschluss über die Eignung als Endlager geben sollte. Der Verdacht, dass Niedersachsen den Standort im Wendland nicht primär aus fachlichen, sondern aus politischen Gründen ausgesucht hatte, wurde jüngst bestätigt.
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Die Kreativität der Demonstranten machte den Protest gegen die Transporte nach Gorleben zu regelmäßigen Medien-Aufregern.
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Als damaliges Mitglied der Auswahl-Kommission sagte der heute emeritierte Geologie-Professor Gerd Lüttig, Albrecht habe Kommissionsempfehlungen nicht abgewartet, sondern sei festgelegt gewesen.
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Zitat: "Er wollte einen Standort in der Nähe der damaligen Zonengrenze haben, weil die Ostzonalen, wie er immer sagte, uns die Geschichte mit ihrem Endlager Morsleben eingebrockt hatten" (Lüttig).
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Im sachsen-anhaltinischen Morsleben hatte Ost-Berlin ein Atom-Endlager nahe der Grenze eröffnet. Nach Aussagen von Experten waren andere norddeutsche Salzstöcke nach Aktenlage mindestens ebenso oder besser geeignet als Gorleben.
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Bis 1983 lief die Voruntersuchung in Gorleben, die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) bewertet wurde. Danach startete die untertägige Erkundung, die die Stromkonzerne - und damit die Stromkunden - bislang 1,5 Milliarden Euro gekostet hat. Sie wurde im Jahr 2000 gestoppt.
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Sowohl Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) als auch sein Nachfolger Sigmar Gabriel (SPD) versuchten, eine neue Endlagersuche zu starten. Dabei sollten nicht nur Salzstöcke, sondern auch Granit-Standorte einbezogen werden, die sich in Baden-Württemberg und Bayern befinden. Das scheiterte aber am Widerstand von Union und FDP sowie der Atomwirtschaft, die die Erkundungsarbeiten in Gorleben möglichst schnell wieder aufnehmen lassen wollen.
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Neue Zweifel an der Eignung Gorlebens bringt ein Gutachten des Ex-PTB-Mitarbeiters Ulrich Schneider, das die niedersächsischen Linken in Auftrag gegeben haben. "Es stellt sich die Frage, wann Gorleben absaufen wird", sagte der Geologe. Er verglich den Salzstock mit einem hohlen Zahn, in den Wasser wie Karies eindringe. Frühere Untersuchungen über Wasserläufe in dem Gestein kritisierte er als zu undifferenziert. Wasser dringe in das Steinsalz des geplanten Endlagers umgebenden Kalisalzschichten ein und weiche diese auf.
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Der Salzstock bei Gorleben wird seit 1977 als möglicher Standort zur Endlagerung hoch radioaktiven Atommülls gehandelt. Einige Geologen bezweifeln die Tauglichkeit des Salzstocks in Gorleben als Endlager. Umweltschützer vermuten, dass der Salzstock unter dem Deckmantel der Erkundung bereits seit Jahrzehnten zum Endlager für hoch radioaktiven Atommüll ausgebaut wird. Die FR erzählt die Gorleben-Story und den Protest in Bildern
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