Die Sonne wollte gerade über Durban aufgehen, offenbar, um den historischen Moment nicht zu verpassen. Der Konferenzvorsitz konnte da endlich den Durchbruch auf dem Klimagipfel in Südafrika feststellen – Sonntag früh um halb vier, eineinhalb Tage später als geplant und vor völlig übermüdeten Delegierten im großen Saal des Kongresszentrums in der Drei-Millionen-Stadt. Sie hatten trotz teils knallharter Kritik aus einzelnen Ländern die „Durban platform“ durchgewunken, jene papierene Basis, die eine neue Architektur für den globalen Klimaschutz ermöglichen soll.
Drei Jahrzehnte nach Kyoto
Die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane bezeichnete das Dokument gleich als „historischen Meilenstein“ im Kampf gegen die Klimaerwärmung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer „bedeutenden“ Einigung. Tatsächlich ist darin der Weg beschrieben, wie bis 2020 ein neues, umfassendes internationales Vertragswerk entstehen soll – das nicht nur wie bisher den Großteil der Industrieländer, sondern auch die aufstrebenden Schwellenländer und die Kyoto-Aussteiger USA zur CO2-Reduktion verpflichtet. Es wäre ein Meilenstein, aber ein ziemlich verspätet gesetzter.
Dieser erste wirklich globale Vertrag träte nämlich, falls es überhaupt so weit kommt, erst fast drei Jahrzehnte nach dem UN-Erdgipfel in Kraft, auf dem 1992 im japanischen Kyoto der Kampf gegen die Treibhausgase gestartet wurde. Die Zeit läuft davon. Klimaforscher fordern schon jetzt, dass die globalen Emissionen spätestens ab 2020 drastisch sinken müssen.
Die „platform“ legt fest, dass das neue Abkommen bis 2015 ausverhandelt sein soll – Stoff also für vier Klimagipfel in den kommenden vier Jahren. Danach blieben fünf Jahre für die Ratifizierung in den jeweiligen Ländern, 2020 soll es in Kraft treten. Zu welchen CO2-Zielen die Staaten sich verpflichten, blieb vorerst offen. Ebenso ist nicht sicher, dass die Zeit zur Ratifizierung reicht. Beim Vorläufer, dem Kyoto-Protokoll, dauerte es bis zum Inkrafttreten volle acht Jahre. Zudem stieg der Unterzeichnerstaat USA wieder aus.
Die Fertigung der „platform“ war in der Durban-Konferenzmühle extrem schwierig gewesen. Zwei Wochen lang war man trotz Hunderter Sitzungen kaum vorangekommen. Zuletzt verbiss sich die Indaba genannte Kerngruppe von Ministern heftig über Formulierungen zur rechtlichen Verbindlichkeit des Abkommens. In der Indaba, jener Entscheidungsrunde nach Sitte der Zulu und Xhosa, saßen Vertreter der wichtigen Länder und Ländergruppen, darunter der USA, der Schwellenländer und der EU plus der Afrikaner, der Inselstaaten und der am wenigsten entwickelten Staaten.
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