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Klimaschutz: Amerika grünt so grün

Al Gore begeistert das Auditorium in Poznan. John Kerry ermahnt China und Indien. Interaktive Grafik: EU-Klimaziele

Greenpeace demonstriert für den Klimaschutz.
Greenpeace demonstriert für den Klimaschutz.
Foto: dpa

Poznan. "Yes, we can." Das Copyright für diesen Satz hat Al Gore, der Klima-Aktivist und Nobelpreisträger, zwar nicht. Doch der Jubel will kein Ende nehmen, als er ihn ausruft. Die Delegierten und Beobachter des Weltklimagipfels im polnischen Poznan scheinen am Freitag angesichts des Geschachers um das Klimathema beim "Öko-Vorreiter" EU in Brüssel gerade in Depression zu verfallen. Da gibt Gore ihnen eine Aufbauspritze, die es in sich hat. "Yes, we can."

Vor ein paar Tagen, so berichtet Gore seinen Zuhörern, hat er mit dem Mann gesprochen, dessen Markenzeichen die drei Wörter sind. Und Barack Obama habe ihm versichert: Der Kampf gegen den Klimawandel bekomme in seiner Präsidentschaft trotz Wirtschaftskrise Top-Priorität. Schließlich werde das Umsteuern zu Energieeffizienz und Ökoenergien Millionen neuer Jobs bringen. Der Beifall, er will nicht enden.

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Interaktive Grafik: EU-Klimaziele

Vorher hat Gore die prekäre Lage des Planeten geschildert, wie man das aus seinem Oscar-prämierten Klimafilm kennt. Eine Erinnerung daran, worum es eigentlich geht, wenn die Verhandler in Poznan ihre Akten-Umwälzanlage laufen lassen.

"Wir kommen an den point of no return", sagt er, an den Punkt also, an dem Teile des Klimasystems irreversibel kippen können. Das zu betonen sei wichtig angesichts des Drucks von Wirtschaftlobbys, "die Politiker dazu bringen können, von ihren Bekenntnissen zum Klimaschutz abzugehen".

Ein Seitenhieb auf Brüssel, klar. Aber nicht verletzend vorgetragen. Das ist Gores Art nicht. Zudem hätte es nicht gepasst zum "Yes, we can"-Geist, den nicht nur der "grüne Al", sondern auch Obamas offizieller Emissär, der US-Senator und Ex-Präsidentschaftskandidat John Kerry, in Poznan verbreitet. Er persönlich glaube, die USA könnten ihren CO2-Ausstoß noch stärker reduzieren als vom Obama-Team angekündigt.

Eine Steilvorlage für die ergrünten Amerikaner gab tags zuvor der US-Bundesstaat Kalifornien. Das Schwergewicht der US-Ökonomie verabschiedete einen detaillierten Plan, der den CO2-Ausstoß bis 2020 um 15 Prozent senken soll - mit konkreten Plänen für den Ausbau des Öko-Stroms auf 33 Prozent, für Industrie, Häuser, Autos - und einen Emissionshandel, um den die EU gerade hitzig kämpft.

Gore und Kerry kündigten die konstruktive Beteiligung der USA an den internationalen Klimaverhandlungen an - anders als unter der Bush-Regierung. Auch da jubeln die Klimaverhandler. Dass die Amerikaner 2001 aus Kyoto ausgestiegen waren, hatte die Bedeutung des ganzen Prozesses geschmälert. Doch zumindest Kerry machte klar: Washington wird nun nicht einfach zum good guy des Klimaschutzes. China, Indien und Co. müssten künftig beim CO2-Sparen schon mitziehen, da sie inzwischen global so kräftig einheizen wie die USA. Das ist eine Position, die auch Bushs Klimaverhandler immer vertraten - und damit jeden Fortschritt blockierten. Easy going, zeigt das, wird der Kyoto-Weg nicht.

Autor:  JOACHIM WILLE
Datum:  13 | 12 | 2008
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