An markigen Worten hat es Charlotte Knobloch auch an diesem 27. Januar nicht mangeln lassen. Und so forderte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland an diesem Jahrestag der Befreiung des nationalsozialisitischen Vernichtungslagers Auschwitz während einer Feierstunde im Bayerischen Landtag ein schärferes Vorgehen gegen Antisemitismus und Rassismus. Man könne nicht zulassen, dass die Feinde der Freiheit den Rechtsstaat unterwanderten.
Es dürfte einer der letzten Auftritte Charlotte Knoblochs als Mahnerin gewesen sein. Nach einer Sitzung des Direktoriums ihrer Interessenvertretung sagte die 77-Jährige am Sonntag am Frankfurter Flughafen: "Die Präsidentin will bewusst einen Generationenwechsel herbeiführen." Und deswegen trete sie für eine zweite Amtszeit an der Spitze des Zentralrats, der im November einen Präsidenten bestimmen muss, nicht mehr an.
Wer Knoblochs Nachfolger an der Spitze des Zentralrats werden soll, blieb zunächst offen. Dieter Graumann, jetzt bereits Vize-Präsident neben Salomon Korn, kam bereits vor der Sitzung des Direktoriums ins Gespräch, wollte sich aber nicht äußern. Doch Korn selbst will das Amt im Fokus der Öffentlichkeit nicht. Das hat "der Familienmensch", der auch Vorsitzender der großen Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main ist, immer wieder deutlich gemacht.
orn ist ein brillanter Kopf, gilt als Intellektueller im Zentralrat und mischt sich immer wieder in erinnerungskulturelle Debatten ein. In der Diskussion über das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, das später als ein riesiges Stelenfeld südlich des Brandenburger Tores gebaut worden ist, regte Korn mit seinen Beiträgen immer wieder zu großer Nachdenklichkeit an.
Und doch ließ er bereits nach dem Tod des Präsidenten Paul Spiegel keinen Zweifel: Das Amt des Präsidenten wolle er, der frühere Mitstreiter von Ignatz Bubis in der Frankfurter Gemeinde wie im Zentralrat, ausdrücklich nicht.
Bereits mit Paul Spiegel verknüpfte man im Zentralrat die Aussicht auf einen Wandel: Das Gremium wollte nicht länger allein als "moralische Instanz " angesprochen werden, sondern sich verstärkt um sozialpolitische Aufgaben kümmern. Das machte der Staatsvertrag deutlich, den Spiegel und der damlige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2003, übrigens wieder an einem 27. Januar, besiegelt haben: Ausdrücklich schrieb man in diesem Kontrakt die kulturelle, soziale und integrationspolitische Aufgabe des Zentralrats fest. Gerade die Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion müssten nach den Worten Spiegels wieder mit dem Judentum vertraut gemacht werden. Deswegen wolle man sich perspektivisch intensiv um die Ausbildung von Rabbinern bemühen, die für die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland von großer Bedeutung sei.
Ein Grundatz auch für den nächsten Präsidenten. Charlotte Knobloch gab mit ihrer Anmerkung, einen Generationenwechsel möglich zu machen, den Hinweis, dass der neue Präsident ein Nachgeborener sein sollte. Dieter Graumann ist 1950 geboren und in Frankfurt aufgewachsen. Er studierte Volkswirtschaftslehre, arbeitet gegenwärtig als Liegenschaftsverwalter und wirkt in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt als Finanzdezernent. Auf ihn scheint die Wahl am Ende des Jahres hinauszulaufen. Denn bislang hat der vor sechs Jahrzehnten gegründete Zentralrat noch nie einen Präsidenten gehabt, der nicht zuvor an herausgehobener Stelle wirken konnte - nämlich als Vize-Präsident.
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