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Plagiate in Doktorarbeit? : Koch-Mehrin unter Verdacht

Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin soll in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben. Die Internetplattform „VroniPlag Wiki“ hat Plagiate auf 27 Seiten gefunden. Die Universität Heidelberg geht den Vorwürfen bereits nach.

Silvana Koch-Mehrin (40), FDP-Europaabgeordnete, gerät wegen Plagiats-Vorwürfen in Turbulenzen. Foto: REUTERS

Nach Karl-Theodor zu Guttenberg sieht sich nun auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin Vorwürfen ausgesetzt, Teile ihrer Dissertation abgeschrieben zu haben. Am Montag erfuhr die Universität Heidelberg, wo die 40-Jährige im Jahr 2000 eine Dissertation über die Lateinische Münzunion verfasst hat, von dem Verdacht.

Die Internetplattform „VroniPlag Wiki“, die ursprünglich zur Plagiatsprüfung der Dissertation der Stoiber-Tochter Veronica Saß gegründet worden war, informierte die Universität über die angeblich plagiierten Textpassagen. Am Dienstagnachmittag hatten die Wiki-Macher angebliche Plagiate auf 27 der mehr als 200 Seiten starken Dissertation ausfindig gemacht. Die Universität Heidelberg geht den Vorwürfen bereits nach, der Promotionsausschuss hat am Dienstag seine Arbeit aufgenommen, um die Dissertation zu prüfen. Der Sprecher der FDP-Europaabgeordneten, Georg Streiter, sagte der Frankfurter Rundschau: „Kein Kommentar. Das ist Sache der Uni Heidelberg.“

Matthias Pröfrock, CDU, soll auch plagiiert haben. Er wurde gerade   in den Stuttgarter Landtag gewählt.
Matthias Pröfrock, CDU, soll auch plagiiert haben. Er wurde gerade in den Stuttgarter Landtag gewählt.
Foto: Privat

Unterdessen gerät neben Koch-Mehrin und Veronika Saß, einer Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, die laut VroniPlag fast die Hälfte ihrer Arbeit abgeschrieben haben soll, auch der baden-württembergische CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock immer stärker unter Druck. Auch seine Dissertation wird im VroniPlag Wiki auf Plagiate untersucht. Die Wiki-Macher wollen inzwischen auf knapp der Hälfte der mehr als 200 Seiten starken Dissertation Plagiate gefunden haben.

Die Plagiat-Jäger

Wenige Tage, nachdem Andreas Fischer-Lescano in Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation Plagiate gefunden hatte, gründete eine Akademiker-Gruppe die Internet-Plattform „GuttenPlag Wiki“ (de.guttenplag.wikia.com),um die Doktorarbeit auf Plagiate zu prüfen.

Die Initiatoren legen Wert darauf, keine politischen Ziele zu verfolgen. Ziel sei es, „die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern“.

Zum engeren Kreis gehören 30 Engagierte, viele davon selbst promoviert.

Im Umfeld des GuttenPlag-Wikis ist das „VroniPlag Wiki“ entstanden (de.vroniplag.wikia.com), das sich ursprünglich mit angeblichen Plagiaten in der Doktorarbeit der Stoiber-Tochter Veronika Saß beschäftigte, inzwischen aber auch die Dissertationen von Silvana Koch-Mehrin und Matthias Pröfrock prüft. (ral)

„Für mich besteht kein Zweifel mehr, dass hier fleißig kopiert wurde“, sagt einer der Gründer von GuttenPlag, der sich „PlagDoc“ nennt. Die Macher von VroniPlag kommen aus dem Umfeld von GuttenPlag, der Seite, die mit der Veröffentlichung von Karl Theodor zu Guttenbergs Plagiaten bekannt wurde.

Der 33-jährige Pröfrock selbst, der erst vor gut zwei Wochen als Direktkandidat in den baden-württembergischen Landtag gewählt wurde, will sich inzwischen nicht mehr zu den Vorwürfen äußern, bis das Prüfungsverfahren der Universität Tübingen abgeschlossen ist, sagte er auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der CDU-Politiker in einer Stellungnahme noch von „vereinzelten“ nicht korrekt zitierten Textpassagen gesprochen. Fehler bei der Zitierung seien ihm nur durch „mangelnde Sorgfalt oder übereiltes Handeln“ zu erklären. An seinem Doktortitel hält er offenbar fest. Auf seiner Internetseite sowie bei seinem Facebook-Auftritt stellt sich der Landtagsabgeordnete nach wie vor als Dr. Matthias Pröfrock vor. Wie auch Silvana Koch-Mehrin hat Pröfrock mit seinem Doktortitel auf Wahlplakaten geworben.

Seine Dissertation zum Thema Energieversorgungssicherheit im Recht der Europäischen Union hatte der ehemalige persönliche Referent von Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) im Jahr 2007 an der Universität Tübingen erstellt. Die Hochschule hat die Überprüfung der Arbeit bereits aufgenommen. Laut einem Sprecher kann das Verfahren aber mehrere Wochen dauern.

Ein anonymer Hinweis an die VroniPlag-Macher hatte den Verdacht auf Pröfrock gelenkt. „Das ist das erste Mal, dass wir aufgrund eines anonymen Hinweises aktiv werden“, sagt PlagDoc. Dass bislang alle im Internet unter Plagiatsvorwürfen stehenden Politiker aus dem konservativen Lager stammen, ist für ihn kein Zufall. „In der Union ist so ein Titel höher angesehen als etwa bei den Grünen“, sagt PlagDoc. „Da ist dann vielleicht auch der Druck höher, so einen Titel zu bekommen, auch wenn man nicht die Zeit oder die Fähigkeiten für die wissenschaftliche Arbeit hat.“

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Dem Vorwurf, die Wiki-Macher betrieben eine Kampagne gegen Unions- oder FDP-Politiker, widerspricht er energisch. Es gebe sicher auch Fälle etwa bei der SPD. „Über Hinweise darauf würden wir uns freuen, weil das diese Vorwürfe entkräften würde.“

Ganz abgesehen davon nehmen die Verdächtigten selbst den größten Einfluss auf die Intensität, mit der ihre Arbeiten nach kritischen Stellen durchforstet werden – wenn auch unfreiwillig. „Wenn die Betroffenen in ersten Reaktionen aggressiv von einer Schmutzkampagne sprechen und sich ganz offensichtlich unehrlich verhalten, stachelt das die Rechercheure natürlich an.“ Das Netz sei kein Hetzmob. „Aber es lässt sich bei klarer Faktenlage eben auch ungern belügen.“ (mit krö)

Autor:  Sebastian Amaral Anders
Datum:  12 | 4 | 2011
Kommentare:  33
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