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15. Januar 2016

Köln und die Folgen: Begehrter kleiner Waffenschein

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Sieht einer echten Pistole täuschend ähnlich: Eine Gas- und Schreckschusswaffe.  Foto: Christian Ohde

Die Nachfrage nach Schreckschusspistolen und anderen Abwehrmitteln ist nach Silvester sprunghaft gestiegen. Besonders groß ist die Zahl der Frauen, die sich schützen wollen.

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In Deutschland wächst offenbar das Bedürfnis nach Selbstschutz und individueller Bewaffnung. Die Nachfrage nach Schreckschusspistolen, Reizgas und anderen Abwehrmitteln habe sich 2015 „mindestens verdoppelt“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, Ingo Meinhard, der FR. Auch wenn die Händler von dem gestiegenen Absatz profitierten, beobachte er die Entwicklung mit Sorge, sagte Meinhard.

Um genauen Aufschluss zu bekommen, hat die Organisation eine Studie bei der Gesellschaft für Konsumforschung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse Anfang Februar vorliegen sollen. Nach Einzelbeobachtungen in verschiedenen Städten ist der Umsatz nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht noch einmal sprunghaft angestiegen. Besonders groß ist die Zahl der Frauen, die sich schützen wollen. Genaue Zahlen gibt es auch deshalb nicht, weil alle möglichen Formen von Reizgas frei in Läden und im Internet erhältlich sind. In Baumärkten werden sie teils neben den Kassen angeboten.

Immer mehr Menschen beantragen bundesweit einen kleinen Waffenschein. Nach einer Prüfung durch die Polizei berechtigt er zum Erwerb einer Schreckschusspistole. In Köln wurden in den Tagen seit Silvester rund 300 Anträge gestellt. Im ganzen Jahr 2015 wurden in der Domstadt 408 solche Erlaubnisse erteilt. Auch Frankfurter Waffengeschäfte berichten von einer stark gestiegenen Nachfrage. Laut Ordnungsamt beantragen derzeit täglich etwa zwölf Menschen den kleinen Waffenschein.

„Eine persönliche Aufrüstung birgt hohes Eskalationspotenzial“, warnt Katrin Streich vom Darmstädter Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement. Besser als solche Gegenwehr sei es zu fliehen oder Passanten anzusprechen. Ähnlich argumentiert Ingo Meinhard vom Verband der Waffenfachhändler mit Sitz in Marburg. Die „freien Abwehrmittel“ dürften auf keinen Fall „proaktiv eingesetzt werden“, sondern allenfalls, um den eigenen Rückzug zu ermöglichen. Nach den Erfahrungen seiner Mitgliedsgeschäfte werden vor allem Flaschen mit Reizgas gekauft, aber nicht eingesetzt. „Sie dienen vor allem der Verbesserung des persönlichen Sicherheitsgefühls.“

Für wirksamer als Schreckschusswaffen und Reizgase hält Meinhard tragbare schrillende Alarmanlagen und blendende Minitaschenlampen mit Stroboskop, die Angreifer orientierungslos machen. Weil sie aus dem Polizeigebrauch entwickelt seien, „kennen die Beamten die Geräusche und reagieren schnell“, sagt der Verbandsvertreter. Und dann kommt von ihm ein unerwartetes Lob auf die strengen deutschen Waffengesetze. „Jeder weiß, wie scharf die Abgabe und Haltung von Schusswaffen kontrolliert wird“, sagt Meinhard. „Deshalb ist die Nachfrage nach scharfen Waffen auch in diesen aufgeregten Zeiten nicht gestiegen.“ (mit han)

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