Berlin. So eindringlich wie seit Jahren nicht mehr redet der grüne Übervater in Ruhestand jetzt seiner Partei ins Gewissen. Via Interview in dem von der Deutschen Umwelthilfe herausgegebenen Magazin Zeo2 warnt der einstige Frontmann die Grünen davor, sich mit einem Anti-Kohle-Kurs "ins Abseits" zu manövrieren. "Angesichts wachsender politischer Instabilität in den Öl- und Gasförderregionen" komme man trotz aller klimapolitischer Probleme der Kohle "nicht ohne sie aus" findet der ehemalige hessische Umweltminister
"Wir werden als Übergangstechnologie auch weiter Kohle einsetzen müssen, wenn wir nicht wieder bei den mehr als zweifelhaften Segnungen der Atomkraft landen wollen." stellt Fischer fest. Grüne und Umweltbewegung machten einen " Riesenfehler", wenn sie das nicht einsehen würden. Mit seiner Intervention ist Fischer der zweite prominente Grüne innerhalb weniger Tage, der seine Partei mit einer konträren energiepolitschen Position in Turbulenzen bringt. Erst ende der letzter Woche hatte sich der designierte Grünen- Parteichef Cem Özdemir in die Nesseln gesetzt, als er öffentlich erklärte, er ließe über den Bau neuer Kohlekraftwerke mit sich reden. Nach heftiger interner Kritik ruderte Özdemir allerdings auf grüne Parteilinie zurück.
Fischer aber redet Klartext. Während in Hamburg das geplante Großkraftwerk Moorburg zur Zerreißprobe für die erste schwarz-grüne Landeskoalition wird und in Wiesbaden die Jamaika-Koalition an einem Kohlemeiler zerbricht, argumentiert er als strammer AKW-Gegner: "Warum nicht Kohlekraftwerke unter dem Vorbehaltgenehmigen, dass sie nachgerüstet werden müssen, sobald die Technologie des CO2-Abscheidens oder Vergleichbares verfügbar ist?"
Die Grünen-Spitze wies in Berlin die Intervention des an sich geschätzten Altvorderen mit knappen Worten zurück: "Parteivorstand, die Fraktion und der letzte Parteitag sind anderer Meinung als Joschka Fischer", sagte Parteichef Reinhard Bütikofer der Frankfurter Rundschau. Die "falsche Alternative" entweder Atom oder zusätzliche Kohlekraft könnten die Grünen "mit einer tragfähigen Innovationsstrategie hinter sich lassen."
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