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10. März 2010

Kolumbien: Ein verlorener Krieg

 Von Wolfgang Kunath

Mit den Profiten aus Marihuana und Kokain werden vor allem Waffen gekauft. Selbst US-Hilfe hat darum den Rebellengruppen Farc und ELN kaum geschadet. Von Wolfgang Kunath

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Man könnte glauben, der Sieg gegen Rauschgift und Rebellen stehe kurz bevor, so triumphal hören sich die Erfolgsmeldungen an. Eine "deutliche Verminderung" und eine "dramatische Reduzierung" durch "gewaltige Anstrengungen" meldet etwa die UN-Drogenbehörde UNODC aus Kolumbien, und auch aus den USA werden regelmäßig Erfolgsmeldungen verbreitet. Aber in Wahrheit gilt der "Krieg gegen die Drogen" als weitgehend verloren.

Mit massiver US-Hilfe hat die kolumbianische Armee den beiden Rebellengruppen Farc und ELN zwar in den vergangenen Jahren kräftig zugesetzt. Aber das Grundübel blieb fort: Mit den Profiten aus Marihuana und Kokain werden vor allem Waffen gekauft.

Mit Hilfe von Milliarden US-Dollar werden Koka-Sträucher abgehackt oder durch Gifte vernichtet. Aber sofort werden neue Büsche gepflanzt, was zu Landkonflikten auch in entlegenen Regionen führt. Die Angaben verschiedener US-Behörden, wie viel tatsächlich pro Jahr vernichtet wurde, unterscheiden sich mitunter in der Größenordnung von 6000 Fußballfeldern, wie James Brittain, ein kanadischer Kritiker des "War on Drugs", vorrechnet.

Trotzdem ist es plausibel, dass 2008 - neuere Zahlen liegen nicht vor - der Anbau gegenüber 2007 zurückgegangen ist. Aber es ist ein Rückgang auf hohem Niveau. Seit 2001 schwankt die Anbaufläche um den Durchschnittswert von 140000 Hektar, dreieinhalbmal so viel wie in den frühen 90ern: Ein Sieg sieht anders aus.

Als Washington und Bogotá 1998 den "Plan Colombia" entwarfen, standen zunächst soziale Ziele im Vordergrund, die nach und nach militärischen wichen: Während die USA der kolumbianischen Armee jede Menge Hubschrauber schenkten, erhielten die Koka-Bauern viel zu wenig Hilfe. Dass der Konflikt in der sozialen Ungleichheit wurzelt, trat in den Hintergrund. Was die Landbevölkerung regelmäßig verärgert und mitunter in die Arme der Guerilla treibt, ist der großflächige Einsatz von Gift aus der Luft. "Matatodo" nennt es der Volksmund, Allestöter - denn es vernichtet auch die legalen Pflanzen neben den Koka-Sträuchern.

Die Politik des rechtsgerichteten Präsidenten Álvaro Uribe, die rechtsextremen, ebenfalls durch Drogenhandel finanzierten Paramilitärs zu entwaffnen, war zwar nicht völlig erfolglos. Aber nun streiten neue Milizengruppen um die Vermarktung der Drogen.

Mit schlimmen Folgen: In Großstädten wie Medellín und Cali nimmt die Zahl der Morde neuerdings wieder zu.

Grafik: FR/Galanty - Animation: FR/kho

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