Herzlichen Glückwunsch, liebe Eltern, Sie haben gewonnen. Ein paar hundert Euro bestimmt. Sie kriegen zwar nicht den versprochenen Kitaplatz für Ihr Kleinkind, weil die Frau Schröder und die Kommunen das nicht ganz schaffen, aber dafür doch das Betreuungsgeld, wenn Sie zu Hause bleiben (müssen). 100 Euro im Monat, und das mindestens zwei Monate lang! Mehr nicht, fragen Sie? Nein, auf mehr können Sie erst mal nicht bauen. Ein bisschen Planungssicherheit für die Zeit nach September 2013? Na, das ist doch nun wirklich zu viel verlangt!
Das Betreuungsgeld ist beschlossen, ja, nach Monaten der Streiterei, in denen deutlich wurde, dass außerhalb Bayerns so ziemlich niemand das für eine gute Idee hält. Kommen wird es nun trotzdem, ab August 2013 - allerdings wohl nur für ganz kurze Zeit. Denn dass dieses Produkt politischen Geschachers die nächste Bundestagswahl überlebt, ist höchst unwahrscheinlich. Schließlich sprechen sich nicht nur Grüne und SPD für eine sofortige Abschaffung aus. Nein, auch in den Reihen der Koalition melden sich schon am Tag nach dem schwarz-gelben Gipfel diejenigen laut zu Wort, die das Betreuungsgeld lieber heute als morgen beerdigen wollen.
Die Praxisgebühr wird neun Jahre nach ihrer Einführung wieder abgeschafft. Die Zuzahlung von zehn Euro, die Kassenpatienten bei Arzt- und bei Zahnarztbesuchen bisher einmal im Vierteljahr entrichten müssen, soll zum 1. Januar 2013 entfallen. Damit werden gesetzlich Versicherte um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr entlastet. Auf eine Senkung der Krankenkassenbeiträge wird verzichtet. Die Krankenkassen erhalten für den Wegfall der zwei Milliarden Euro einen Ausgleich aus dem Gesundheitsfonds. Der Bundeszuschuss für den Gesundheitsfonds wird 2013 zusätzlich um 500 Millionen Euro und 2014 um zwei Milliarden Euro gekürzt. Hintergrund ist das milliardenschwere Finanzpolster des Fonds.
„Ein bis zur Bundestagswahl 2013 eingeführtes Betreuungsgeld muss wieder abgeschafft werden", lautet beispielsweise die klare Forderung der Jungen Liberalen, die ihrem Vorsitzenden Lasse Becker zufolge auch nach Sonntag weiter Bestand hat. Becker, der zum FDP-Vorstand gehört, spricht von einer "falschen Idee" und dürfte dafür nicht nur von der Opposition, sondern auch von Parteifreunden, CDU-Frauen, Arbeitgebern und Kommunen Beifall erhalten.
Es ist also extrem unwahrscheinlich, dass das Betreuungsgeld über die Bundestagswahl im September 2013 hinaus lange Bestand hat. Die CSU wird schwerlich jemanden finden, der sie auf ihrem familienpolitischen Ausflug in die Steinzeit begleiten will.
Die Leidtragenden dieser schwarz-gelben Totgeburt sind einmal mehr die (werdenden) Eltern. Wer sich für ein Kind entscheiden soll, braucht Planungssicherheit. Eltern müssen frühzeitig wissen, wann sie welche Unterstützung bekommen, ob und wann sie mit einem Betreuungsplatz rechnen können. Die schwarz-gelbe Koalition hat bisher alles getan, Eltern und die, die es vielleicht werden wollen, zu verunsichern. Die Beschneidung des Elterngeldes kurz nach seiner Einführung war ein erster Schritt, der groß verkündete Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab einem Jahr, der seit Monaten scheibchenweise relativiert wird, der nächste. Angesichts dessen ist das Gezacker um das Betreuungsgeld - mit weiterhin ungewissem Ausgang - nur das Tüpfelchen auf dem i.
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