kalaydo.de Anzeigen

Kommunalwahlen in den Niederlanden: Rechtspopulist Wilders erfolgreich

Der Rechtspopulist Geert Wilders und seine Partei PVV feiern in vielen Städten und Gemeinden der Niederlande Wahlsiege. Drei Monate vor den Parlamentswahlen gelten die Kommunalwahlen als Stimmungstest für das Land.

Fordert unter anderem ein Kopftuchverbot: Wilders bei der Stimmabgabe
Fordert unter anderem ein Kopftuchverbot: Wilders bei der Stimmabgabe
Foto: dpa

Amsterdam. Der Rechtspopulist Geert Wilders ist mit ausländer- und islamfeindlichen Parolen der Gewinner der Kommunalwahlen in den Niederlanden geworden. Seine Partei für die Freiheit (PVV) siegte in der als Testfall für die im Juni anstehenden Parlamentswahlen angesehenen Stadt Almere vor der sozialdemokratischen Partei der Arbeit (PvdA). Am Regierungssitz Den Haag wurde die Wilders-Partei, die unter anderem ein Kopftuchverbot in Behörden und die Aufstellung von Bürgerwehren zur Kontrolle muslimischer Jugendlicher forderte, am Mittwoch mit nur knappem Abstand auf die Sozialdemokraten zweitstärkste Kraft.

Die PvdA und die Christdemokratische Appell (CDA) des als Chef einer Interimsregierung amtierenden Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende gehörten ebenso wie die Sozialistische Partei (SP) zu den großen Verlierern der Kommunalwahlen. Teils erhebliche Zugewinne konnte die rechtsliberale Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) verbuchen. Zu den Siegern zählten auch die linksliberale Partei D66 und die linke Umweltpartei GroenLinks.

Ministerpräsident Balkenende räumte die "bedauerlichen Verluste" seiner Partei ein und gratulierte den Gewinnern, ausdrücklich auch der Wilders-Partei PVV. Die 2006 gegründete Freiheitspartei war erstmals bei Kommunalwahlen angetreten und hatte nur in den beiden Städten Almere und Den Haag Kandidaten aufgestellt. Im Parlament in Den Haag hat sie seit 2006 neun der 150 Sitze. Laut Umfragen am Tag der Kommunalwahlen würde sie jetzt auf 24 bis 27 Sitze kommen und damit dritt- oder gar zweitstärksten Partei des Königreichs werden.

"Was in Den Haag und Almere geschah, ist überall in den Niederlanden möglich", sagte Wilders und verwies auf die Parlamentswahlen am 9. Juni. Die PVV wolle dabei stärkste politische Kraft des Landes werden. "Wir werden die Niederlande zurückerobern von der linken Elite, die immer noch an den Islam, an Multikulti, an den Unsinn von Entwicklungshilfe und den europäischen Superstaat glaubt", rief Wilders jubelnden Anhängern in der knapp 190.000 Einwohner zählenden Stadt Almere zu.

Zugleich bekräftige Wilders, dass die PVV nach den Parlamentswahlen offen sei für Koalitionsverhandlungen mit allen Parteien. Für die Sozialdemokraten schloss PvdA-Vorsitzender Wouter Bos in der Wahlnacht erneut eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten kategorisch aus. Andere Parteien deuteten hingegen Bereitschaft zu Gesprächen an.

Ungeachtet ihrer Erfolge blieb die PVV allerdings hinter den vorausgesagten jeweils 30 Prozent der Stimmen zurück. In Almere votierten knapp 22 Prozent der Wähler für den dortigen Kandidaten der Wilders-Partei. Die PvdA kam nach Auszählung fast aller Wahlkreise auf knapp 18 Prozent. In Den Haag verloren die Sozialdemokraten nach dem vorläufigen Ergebnis fünf Mandate, blieben aber am Ende mit zehn Sitzen im Stadtrat knapp die größte Partei. Die PVV eroberte am Amtssitz des niederländischen Staatsoberhaupts Königin Beatrix aus dem Stand acht Mandate und wurde damit in Den Haag zweitstärkste Partei.

Insgesamt galten die Kommunalwahlen in 394 Gemeinden als wichtiger Stimmungstest für die Neuwahlen des nationalen Parlaments Tweede Kamer am 9. Juni. Sie waren nötig geworden nachdem vor zwei Wochen die Regierungskoalition aus Christ- und Sozialdemokraten am Streit über den niederländischen Militäreinsatz in Afghanistan zerbrach. Die amtlichen Ergebnisse aller Wahlkreise mit zusammen 8700 Mandatsträgern sollen bis spätestens Samstag veröffentlicht werden. Danach unterbreiten die Stadt- und Gemeinderäte ihre Vorschläge für die Bürgermeister, die in den Niederlanden traditionell von der Königin eingesetzt werden.

Angesichts des Auftrumpfens der Wilders-Partei blieb das Abschneiden der zahlreichen regionalen und lokalen Parteien der Niederlande, die vor allem kommunale Belangen Wahlkampf machten, zunächst weitgehend unbeachtet. Zusammengenommen schicken sie aber mit 2300 Abgeordneten mehr Vertreter in die Stadt- und Gemeinderäte als jede einzelne Partei. (dpa)

Datum:  4 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!