Berlin. Die neuen Einbürgerungstests werden zu erheblichen Verzögerungen bei den laufenden Einbürgerungsverfahren führen. "Wir werden einen riesigen Zeitverlust erleben", warnt Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening. Grund für die Verzögerung ist das komplizierte organisatorische Verfahren, das das Bundesinnenministerium für die Durchführung der Tests bundesweit vorgegeben hat.
Alleinzuständiger für die Tests ist demnach das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Die Nürnberger Behörde wiederum hat mit der praktischen Durchführung der Einbürgerungsprüfung die Volkshochschulen (VHS) beauftragt. Vorerst bis Ende des Jahres sind die rund 500 VHS-Niederlassungen die einzige Adresse, bei der man sich - von Kiel bis Garmisch - zum Test anmelden kann. Doch danach müssen die Deutschländer in spe viel Geduld mitbringen, denn das Verfahren sieht folgenden Ablauf vor: Die Anmeldungen der Testpflichtigen werden von den örtlichen Volkshochschulfilialen gesammelt. Sind genug Bewerber da, legt die VHS einen Prüfungstermin fest. Den meldet sie ans Migrationsbundesamt in Nürnberg. Das braucht dann aber mindestens drei Wochen, um mit Hilfe einer Code-Nummer einen individuellen Testfragebogen zu erstellen, damit für die Prüflinge nicht vorher ausrechenbar ist, welche Fragen aus dem Katalog der über 300 Aufgaben ihnen gestellt werden.
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Haben die Einbürgerungskandidaten ihre Fragen in den VHS-Räumen beantwortet, wandert ihr Testbogen wieder zurück an das Bamf. Dort werten die Beamten dann aus, ob die Prüflinge die richtigen Antworten angekreuzt haben. Und das dauert. Drei Wochen werde man für die Auswertung schon brauchen, schätzt der Behördensprecher. Erst dann erfahren die Anwärter auf den deutschen Pass: durchgefallen oder bestanden. "Wenn es optimal funktioniert, dauert das ganze Test-Prozedere zwei Monate", sagt Integrationsbeauftragter Piening. "Realistisch ist eher ein Vierteljahr."
Sofort anmelden, raten Experten
Auch die Volkshochschulen selbst rechnen offenbar mit längeren Wartezeiten. Man habe sich verpflichtet, so erklärt der VHS-Bundesverband, allen Prüflingen innerhalb einer garantierten Frist einen Testtermin anzubieten. Angepeilte Fristlänge: zwölf Wochen. Angesichts des umständlichen Verfahrens werden die ersten Einbürgerungstests so erst Ende September oder Anfang Oktober stattfinden können. Um die testbedingte Verzögerung des Einbürgerungsverfahrens abzukürzen, raten Experten den Pass-Anwärtern, sich gleich zum Test anzumelden, wenn sie ihren Einbürgerungsantrag bei den Behörden stellen.
Vielen Anwärtern ist dieses parallele Timing jedoch gar nicht mehr möglich. Denn die Pflicht zum Deutsch-Test gilt auch rückwirkend - für alle, die nach dem 30. März 2007 ihren Antrag auf Einbürgerung gestellt haben und deren Gesuch bisher nicht beschieden ist. Sie müssen nun noch ein paar Wochen länger auf den deutschen Pass warten.
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