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Konflikt zwischen Israel und Iran: USA fürchten Krieg in Nahost

Auch die Freundschaft der US-Amerikaner für Israel hat Grenzen. Präsident Barack Obama will so kurz vor der Wahl nicht in einen Krieg zwischen Israel und Iran verwickelt werden.

        

Zwei F-15-Jets beim Manöver. Israel verfügt über Dutzende dieser Maschinen.
Zwei F-15-Jets beim Manöver. Israel verfügt über Dutzende dieser Maschinen.
Foto: reuters
Washington –  

Generalleutnant David Deptula versteht etwas von Luftschlägen. Der ehemalige Geheimdienstchef der amerikanischen Air Force plante die Angriffe auf Afghanistan und während des ersten Golfkriegs. „Es ist nicht so einfach, wie Kommentatoren glauben machen wollen, die sagen: Bombardiert den Iran“, mahnt der pensionierte General in der "New York Times".

Tatsächlich handele es sich um eine höchst komplexe Operation, die nicht vergleichbar sei mit den „Präzisionsschlägen“, mit denen Israel zwei Reaktoren in Syrien (2007) und im Irak (1981) ausgeschaltet habe. Der Hauptunterschied besteht in der geografischen Distanz der potenziellen Ziele. Israel müsste mehr als tausend Meilen zurücklegen, um die vier bekannten Nuklearstandorte des Iran zu erreichen. Der Weg führt theoretisch über drei Routen, die jede für sich Probleme aufwerfen.

HOCHGERÜSTET

Die Islamische Republik unterhält mit 523 000 Mann die zahlenmäßig größte Streitmacht der Region. Im Kriegsfall könnten bis zu eine Million Volksmiliz-Kämpfer mobilisiert werden.

Das iranische Militär ist den israelischen Streitkräften technisch und technologisch aber hoffnungslos unterlegen. Die besondere Stärke der israelischen Armee beruht auf High-Tech-Waffen aus den USA, die Israel weiter entwickelt.

Bunkerbrechende Bomben sind das neueste Kampfmittel für Israel aus den USA: Für Experten steht die Lieferung im Zusammenhang mit möglichen - von den USA offiziell abgelehnten - Militärschlägen gegen Irans Atomanlagen.

Israel verfügt über Atombomben, das haben inzwischen selbst israelische Politiker zugegeben. Israel fürchtet keinen Nuklearangriff des Iran, sondern vielmehr den Verlust des Abschreckungspotenzials.

Die Nordroute ginge über die Türkei, die ihren Luftraum dafür nicht ohne weiteres öffnen dürfte. Die Südvariante führte über Saudi-Arabien, das eher bereit scheint, Israel gegen den Hauptrivalen in der Region zu unterstützen. Hier wären die logistischen Herausforderungen größer. Der wahrscheinlichste Weg führte über Jordanien und den Irak. Jordanien könnte wegschauen, und das irakische Militär wäre nicht in der Lage, die israelische Luftwaffe aufzuhalten.

Israels Luftwaffe braucht US-Tanker

Das nächste Problem ist die iranische Luftabwehr. Um sie auszuschalten, bräuchte es nach übereinstimmender Einschätzung von Experten den Einsatz von mindestens 100 Kampfflugzeugen. Israel verfügt schätzungsweise über 125 US-Maschinen der Typen F-15 I und F-16 I. Beide Flieger schaffen es nicht, die 2000 Meilen für den Hin- und Rückflug mit voller Bombenladung zurückzulegen.

Damit bräuchten die Israelis genügend Lufttanker, die es den Kampfjets erlaubten, in Reichweite des Einsatzgebietes neuen Sprit aufzunehmen. Die offiziell bekannten acht KC-707 Tankflugzeuge Israels seien für eine solche Operation nicht ausreichend. Wobei niemand genau sagen kann, ob Israels Luftwaffe nicht andere Flugzeuge umgerüstet hat.

Der Iran hat zumindest zwei seiner Anlagen massiv gesichert. Die Anreicherungsfabrik in Natanz liegt unter einer zehn Meter dicken Stahlbetondecke. Die Anlage von Fordo ist in einen Berg hineingebaut worden. Nach allem was bekannt ist, verfügen die Israelis über keine konventionelle Bombe, die diese Anlagen zerstören könnte.

Angst vor steigenden Ölpreisen

Der ehemalige CIA-Direktor Michael Hayden, der unter George W. Bush diente, erklärte kürzlich, angesichts dieser Herausforderungen sei es „jenseits der israelischen Möglichkeiten“, einen Alleingang im Iran hinzubekommen. Ohne US-Kapazitäten ginge es am Ende nicht.

Die Sorge in Washington besteht nun darin, durch einen Initialschlag Israels unfreiwillig in den Konflikt hineingezogen zu werden. US-Präsident Barack Obama schickte daher seinen Sicherheitsberater Thomas Donilon nach Israel, um vor einem Alleingang zu warnen. Im US-Fernsehen sagte Armee-Oberbefehlshaber, General Martin Dempsey, am Wochenende: „Zu diesem Zeitpunkt würde ein Schlag den langfristigen Zielen entgegenlaufen.“

Kurzfristig triebe ein Krieg die Ölpreise in die Höhe, nach Einschätzung von Experten auf 200 bis 300 Dollar je Barrel Rohöl. Ein Szenario, das der Präsident in einem Wahljahr auf jeden Fall vermeiden möchte.

Jenseits der Regierungspropaganda vor den iranischen Parlamentswahlen scheint sich jedoch hinter den Kulissen ein Entgegenkommen abzuzeichnen. So soll der Iran nicht mehr auf Vorbedingungen für direkte Verhandlungen bestehen. Ein denkbarer Grund: Die Wirtschaftssanktionen gegen das Land zeigen offenkundig erste Wirkung.

Autor:  Thomas Spang
Datum:  21 | 2 | 2012
Kommentare:  4
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