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Konfliktmuster: Bauen, um zu bleiben

In Deutschland ist es anders: Davon gehen hiesige Islambeauftragte aus - trotz heftiger Debatten über Moscheen. Von Matthias Arning

Einen Rückschluss will Joachim Valentin nicht ziehen. "Wir sind in einer deutlich anderen Situation", sagt der Islambeauftragte des Bistums Limburg am Tag nach der Entscheidung in der Schweiz im Gespräch mit der FR. Nach den hiesigen Moscheedebatten sei doch mittlerweile vielmehr klar: "Ohne die Migranten geht es nicht", betont der Theologie-Professor, der auch Direktor des katholischen Diskurszen-trums "Haus am Dom" in der Frankfurter Innenstadt ist.

Valentin verweist in diesem Zusammenhang auf "das offene Wort" der Bischöfe: Kritik am Moscheebau dürfe es geben, aber keine Hetze. Was nichts anderes heißen soll als: Selbstredend müsse man die Kritik der Anwohner geplanter Moscheebauten wie zuletzt in Köln-Ehrenfeld, München-Sendlingen und Frankfurt-Hausen ernst nehmen - wenn es beispielsweise um die damit schwieriger werdende Parkplatzsituation in den meist etwas abseits gelegenen Stadtteilen gehe. Auch werde man nicht darüber hinweggehen können, dass Anwohner ein geplantes Minarett vielleicht befremdlich fänden. Und doch dürfe man mit den Ängsten der Menschen keine politischen Geschäfte machen wollen. Diese deutliche Markierung der Bischöfe ließ sich nicht anders verstehen als Ermunterung, nicht den Rechtspopulisten zu folgen.

Die Konflikte, darauf hat der Politikwissenschaftler Claus Leggewie in seiner zu Beginn des Jahres erschienenen Studie "Moscheen in Deutschland" hingewiesen, laufen stets nach einem ähnlichen Schema ab. Zunächst tut ein Moscheebauverein kund, eine Gebetsstätte errichten zu wollen - deutlich sichtbar und abseits der Hinterhöfe, in denen man bis dahin betete. Dann treten Anwohner auf, bekunden ihren Unmut und spekulieren darüber, wer denn wohl dieses Projekt finanziere. Ihren Unmut bündeln sie in einer örtlichen Bürgerinitiative.

Die Rechtspopulisten, die in Frankfurt beispielsweise Freie Wähler heißen, geben vor, sich ihres Unmuts anzunehmen, und halten den Moscheebauern vor, "die Islamisierung voranzutreiben". An dieser Stelle kommt dann in allen betroffenen Städten die lokale Politik ins Spiel, die die Religionsfreiheit betont und auf die Stellplatzsatzung verweist. Gebe es da keinen Widerspruch, müsse man den Bau einer Moschee an dieser Stelle zulassen. Schließlich dokumentierten die selbstbewusster auftretenden Migranten mit diesem Vorhaben Leggewie zufolge doch nur: "Wir bauen, weil wir bleiben wollen."

Autor:  Matthias Arning
Datum:  1 | 12 | 2009
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