kalaydo.de Anzeigen

Konservative in der CDU: Grenzen der rechten Aufmüpfigkeit

Wolfgang Bosbach (CDU).
Wolfgang Bosbach (CDU).
Foto: dapd

Konservative der CDU organisieren sich im "Berliner Kreis". Um den hessischen CDU-Fraktionschef Christean Wagner aus der alten Stahlhelm-Truppe der Partei sammeln sich auch Erika Steinbach und Wolfgang Bosbach. Einigen wird die Sache jetzt offenbar zu heiß.

Die Parteiführung hat die Stirn gerunzelt und da ist die Sache offenbar einigen zu heiß geworden. Junge-Unions-Chef Philipp Mißfelder macht nicht mit. Der thüringische CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring ist vorsorglich mal in den Skiurlaub gefahren. Und das, wo es doch am Dienstagabend in der CDU-Zentrale ums Konservative gehen soll, das Mohring und Mißfelder bislang so sehr am Herzen lag.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wird also mit den übrig gebliebenen Mitgliedern des „Berliner Kreises“ diskutieren. Ein gutes Dutzend könnte da im Konrad-Adenauer-Haus aufschlagen, vielleicht auch ein paar mehr. Mitbegründer des Kreises war vor drei Jahren der hessische CDU-Fraktionschef Christean Wagner, ein 68-Jähriger aus der alten Stahlhelm-Truppe der Partei, der Angela Merkel regelmäßig mit dem Vorwurf der Profillosigkeit nervt.

Dazu gestoßen sind nun auch jüngere Bundestagsabgeordnete vom Wirtschaftsflügel, vornehmlich aus dem wahlniederlagen-frustrierten Baden-Württemberg: Zu ihnen gehören der Vorsitzende der Parlamentsgruppe Mittelstand der Union, Christian von Stetten, und die Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß und Thomas Dörflinger. Die Vertriebenen-Funktionärin Erika Steinbach kommt dazu und der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, der im vergangenen Jahr wegen seines Neins zur Merkels Eurokurs Ärger mit der Regierung bekommen hatte.

Kein gemeinsames Programm

Ein gemeinsames Programm ist noch nicht erkennbar, die Berliner-Kreis-Leute eint die Unzufriedenheit mit den Wahlergebnissen ihrer Partei. Sie wollen sich jetzt anders organisieren, eine Internet-Seite anlegen zum Beispiel, einen offiziellen Sprecher wählen oder auch zwei. Sie überlegen, ob sie Mitarbeiter anstellen sollen. Das war es, was die CDU-Spitze alarmiert hat.

        

Mit Ehering und Krawatte: Christean Wagner setzt auf Werte.
Mit Ehering und Krawatte: Christean Wagner setzt auf Werte.
Foto: dapd

Als die Überlegungen Ende vergangenen Jahres öffentlich wurden, warnte Fraktionschef Volker Kauder vor einer Spaltung der Partei. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befand Medienberichten zufolge, mit einer Institutionalisierung überschreite der Berliner Kreis eine rote Linie. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe erklärte, Diskussionsbeiträge seien höchst willkommen. Die richtige Stelle hierfür seien aber die Parteigremien.

Der Berliner Kreis verschob seine Bemühungen. Es gab die erwähnten Rückzüge. Mißfelder erklärte der Frankfurter Rundschau seine Distanz so: „Ich halte nichts von Parallelveranstaltungen zu Gremien wie Parteitagen, Fraktion und Vereinigungen.“ Im CDU-Präsidium würden konservative Positionen bereits durch ihn selber, durch Kauder und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier vertreten.

„Die Parteiführung hat Angst“

Wolfgang Bosbach dagegen findet, die Parteispitze solle den Berliner Kreis als Bereicherung begreifen. Schließlich sei auf den Treffen „nie ein Satz gefallen, der der CDU als Partei oder der Parteivorsitzenden Probleme machen konnte“. Das ist Ansichtssache: Schließlich klagt nicht nur Wagner über Profillosigkeit. Mitglieder des Kreises jammern, die CDU lasse ihr Kernfeld Innere Sicherheit brach liegen – dafür soll eigentlich Bouffier stehen – und müsse mehr über Familienpolitik diskutieren.

Und Bosbach sagt, neben neuen Themen müsse auch die Entscheidungsfindung debattiert werden. Bei Regionalkonferenzen gehe es regelmäßig nicht um Kursbestimmung, sondern darum, Entscheidungen der Parteispitze zu erklären. „Die Parteiführung hat Angst davor, dass wir ein Machtfaktor werden“, sagt einer aus dem Kreis.

Wenn nicht Angst, dann hat sie zumindest keine Lust darauf. Bei manch einem Teilnehmer gibt es nun wohl die Befürchtung, dass die Mitgliedschaft im Berliner Kreis karriereschädlich sein könnte. Um die Position des Sprechers hat sich zumindest bislang niemand wirklich gerissen. Aufmüpfigkeit hat auch ihre Grenzen.

Autor:  Daniela Vates
Datum:  7 | 2 | 2012
Kommentare:  15
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten


US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Spezial: US-Wahl 2012

Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?

US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund

Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner

Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf

Weblog der USA-Experten unserer Redaktion

Kolumne

Die Politik ist eine Castingshow - und Angela Merkel ihr Dieter Bohlen: Stephan Hebel in seiner Audioslideshow über Peter Altmaier (eine Runde weiter!), den Osterhasen (Artenvielfalt gerettet!) und einen friedlosen ESC (wo ist Nicole, wenn man sie braucht?). Über Fußball - diesmal kein Wort!

Interaktiv

Wer sitzt mit wie vielen Abgeordneten im Bundesrat? Alle Ministerpräsidenten, alle Zahlen und Fakten hier!

Anzeige

 

Anzeige

 

Video
Spezial: Israel-Iran-Konflikt

Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.


Politik-Spezial

Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.


Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.

Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!