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15. Dezember 2010

Kosovo-Wahlsieger Thaci : Verstrickt in illegalen Organhandel

 Von Norbert Mappes-Niediek
Hashim Thaci, Ministerpräsident des Kosovo.  Foto: dapd

Organ-Handel, Waffenschmuggel, Drogengeschäfte: Der Ministerpräsident des Kosovo, Hashim Thaci, ist Ermittlungen des Europarats zufolge Kopf einer „mafia-artigen“ Gruppe.

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Organ-Handel, Waffenschmuggel, Drogengeschäfte: Der Ministerpräsident des Kosovo, Hashim Thaci, ist Ermittlungen des Europarats zufolge Kopf einer „mafia-artigen“ Gruppe.

Hashim Thaci, Premierminister des Kosovo und Wahlsieger vom Sonntag, soll als Kopf der „Drenica-Gruppe“ in der Rebellenarmee UCK für den Handel mit Organen gefangener Serben verantwortlich gewesen sein. Das behauptet der Sonderberichterstatter des Europarats, der Schweizer Staatsanwalt Dick Marty, in einem Bericht für den Europarat, der am heutigen Donnerstag in Paris vorgestellt wird.

Die direkte Verantwortung für die Verbrechen oblag laut Marty Thacis Parteifreund Shaip Muja, einem Mitglied des Generalstabs. Der 45-Jährige leitete nach dem Krieg 1999 das Medizinische Bataillon des Kosovo-Schutzkorps, einer Auffangorganisation für die aufgelöste Rebellenarmee. Der in der Öffentlichkeit wenig bekannte Politiker fungierte seit Amtsantritt Thacis als Premierminister 2007 als dessen „gesundheitspolitischer Berater“ und war zeitweise als Verteidigungsminister im Gespräch. Bei der Wahl am Sonntag kandidierte er für die Thaci-Partei PDK. Weil die persönlichen Stimmen noch nicht ausgezählt sind, ist nicht klar, ob Muja ins neue Parlament einzieht.

Wahlfälschung

In Skenderaj im Zentrum des Kosovo herrscht unumschränkt die PDK von Premier Thaci. Dort erreichte die Wahlbeteiligung sagenhafte 94 Prozent – knapp doppelt soviel wie im Durchschnitt. „Sogar Hunde und Kühe wählen hier“, meldete ein Beobachter der Oppositionspartei LDK an die Zentrale. „Wir müssen alles unterschreiben. Sonst riskieren wir alles: den Job und sogar das Leben.“

Nach vielen Fälschungsvorwürfen – so auch in Drenas – will die LDK, dass die Wahl in beiden Gemeinden wiederholt wird. „Im ganzen Land sind das Wahlrecht und die Demokratie schwer beschädigt worden“, sagte LDK-Spitzenkandidat Isa Mustafa.

Im Bericht führt Marty sechs Geheimgefängnisse für aus dem Kosovo verschleppte Serben und Albaner in der benachbarten Republik Albanien auf. Kriminalistische Untersuchungen habe er dort aber nicht ausführen können; seine Erkenntnisse beruhen auf Zeugenaussagen von Überlebenden und Fahrern. Viele Zeugen wollten aus Angst nicht aussagen. Die Verbrechen sollen auch nach dem Ende des Krieges weitergegangen sein; 1999 verschwanden etwa 500 Menschen, davon bis zu 400 Serben. Die Organentnahme habe in Fushe-Kruja stattgefunden, einer Kleinstadt nördlich der Hauptstadt Tirana. Zu den Köpfen der „Drenica-Gruppe“, benannt nach dem zentralen Mittelgebirge des Landes, zählt Marty neben Thaci und Muja den Verkehrsminister Fatmir, den Wirtschaftsfunktionär Azem Syla sowie die PDK-Politiker Xhavit Haliti und Kadri Veseli.

An die Öffentlichkeit drang der Verdacht, UCK-Rebellen hätten mit gewaltsam entnommenen Organen serbischer Häftlinge gehandelt, erstmals 2008 in der Biografie von Carla Del Ponte. Die frühere Chefanklägerin des Haager Kriegsverbrechertribunals berichtete von Ermittlungen aus dem Jahr 2004, die mangels operativer Befugnisse ihrer Behörde in Albanien zu keinem Ergebnis geführt hätten. Im Zentrum stand damals ein „gelbes Haus“ im Dorf Rripe bei Burrel im Nordosten Albaniens. Die dort lebende Familie konnte die Herkunft von Blutflecken rund um einen Tisch im Haus nicht plausibel erklären. Einige erzählten, dort seien Tiere geschlachtet, andere, ein Kind sei auf dem Tisch geboren worden. Marty kritisierte den „Mangel an Professionalität“ der Haager Ermittler.

Ende 2008 wurden in Pristina mehrere Angehörige der privaten Medicus-Klinik wegen des Verdachts auf illegalen Organhandel festgenommen. Zwischen dem Fall in Pristina und den angeblichen Organentnahmen in Albanien soll laut Marty ein Zusammenhang bestehen.

Der Europarat-Ermittler spart nicht mit Vorwürfen an die UN-Mission Unmik, das Haager Tribunal, die internationale Schutztruppe Kfor und die europäische Rechtsstaatsmission Eulex, die seit 2008 im Kosovo arbeitet. Auch die Kosovo-Politik des Westens steht im Schussfeld des Berichts, der zugleich einen Resolutionsentwurf für die parlamentarische Versammlung des Europarats darstellt. Es sei „kurzsichtig“ gewesen, so Marty, gleichzeitig den „Schein von Rechtsstaatlichkeit“ zu wahren, während man alles habe vermeiden wollen, was das labile Gleichgewicht der Region destabilisieren könnte.

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