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Krieg im Gazastreifen: Israel will über Waffenruhe verhandeln

Israel will am Donnerstag mit Ägypten über eine dauerhafte Waffenruhe im Gazastreifen verhandeln. Nach seiner dreistündigen Unterbrechung der Offensive hat es die Angriffe fortgesetzt. Interaktive Grafik: Krieg im Gazastreifen


Foto: dpa

Tel Aviv. Israel will nach Medienberichten an diesem Donnerstag mit Ägypten über eine dauerhafte Waffenruhe im Gazastreifen verhandeln. Eine Delegation unter der Leitung von Amos Gilad, einem Spitzenberater von Verteidigungsminister Ehud Barak, werde nach Kairo reisen und in den nächsten Tagen "intensive Gespräche" über die jüngste französisch-ägyptische Initiative für eine Waffenruhe führen, berichteten der Fernsehsender Channel 10 und die Internetausgabe der Tageszeitung "Haaretz". Auch Ahmed Jussuf, ein Berater des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija, hielt eine Waffenruhe "innerhalb von 48 Stunden" für möglich.

Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidentenamtes wollte die Medienberichte über die geplanten Gespräche in Kairo allerdings nicht kommentieren. Dabei soll es demnach unter anderem um Vereinbarungen gehen, die dazu führen sollen, dass der Schmuggel von Waffen für die radikal-islamische Hamas über die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen auf wirksame Weise unterbunden wird.

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Ein verletztes palästinensisches Kind wird in die Klinik gebracht.
Ein verletztes palästinensisches Kind wird in die Klinik gebracht.
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Jussuf sagte dem Internet-Portal "ynet": "Im Lichte der laufenden diplomatischen Bemühungen bin ich überzeugt, dass beide Seiten innerhalb der nächsten 48 Stunden eine wechselseitig annehmbare Formel finden werden." Der französisch-ägyptische Vorschlag, den Ägyptens Präsident Husni Mubarak am Dienstag in Scharm el Scheich vorgestellt hatte, sieht eine unverzügliche Waffenruhe vor. Im Anschluss daran sollten umgehend Gespräche über die Sicherung der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen, aber auch über die Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens beginnen. Auch die Versöhnung zwischen den verfeindeten Palästinenserfraktionen - der Hamas und der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas - soll wieder in Gang gesetzt werden.

Israel unterbricht Offensive

Israel hatte die Angriffe im Gazastreifen am Mittwoch für drei Stunden unterbrochen, um die Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit humanitären Hilfsgütern zu ermöglichen.

Ein israelischer Militärsprecher teilte mit, seit 13 Uhr Ortszeit sei die Feuerpause in Kraft. Auch die radikal-islamische Hamas will die dreistündige Waffenruhe, die alle zwei Tage wiederholt werden soll, einhalten.

Der stellvertretende Hamas-Chef Mussa Abu Marsuk hatte zuvor im Interview mit dem Nachrichtensender Al-Arabija gesagt, falls die israelische Armee ihre Angriffe wirklich jeden Nachmittag für mehrere Stunden einstelle, werde auch die Hamas während dieser Zeit keine Raketen auf Israel abfeuern.

Der israelische Sprecher Peter Lerner sagte, alle "offensiven Aktivitäten" im Gazastreifen seien vorübergehend eingestellt worden. "Dies soll den Menschen ermöglichen, sich mit Grundnahrungsmitteln einzudecken", sagte er. Etwa 80 Lastwagen mit humanitären Gütern seien in den Gazastreifen gefahren. Seit den frühen Morgenstunden sei die Lieferung von Gas wieder aufgenommen worden. Insgesamt sollten mehr als 400.000 Liter geliefert werden.

Währenddessen verlautete aus Beratungen des israelischen Sicherheitskabinetts in Tel Aviv, man werte den Dialog zwischen Israel und Ägypten über eine Waffenruhe als positiv. Der Ministerkreis sollte über eine Fortsetzung der am 27. Dezember begonnenen Offensive "Gegossenes Blei" oder eine Waffenruhe entscheiden.

Angesichts der dramatischen Versorgungslage der Bevölkerung hatte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak am Morgen die Öffnung von Übergängen für Hilfslieferungen in den Gazastreifen angeordnet.

Die israelische Luftwaffe flog am Mittwoch nach Angaben eines Armeesprechers mehr als 40 Angriffe unter anderem auf Gebäude der Hamas, Bunker und Raketen-Abschussrampen. Die Luftwaffe habe auch Gruppen bewaffneter Palästinenser angegriffen. An der Grenze zu Ägypten seien mehr als zehn Tunnel bombardiert worden, die dem Waffenschmuggel dienten. Im israelischen Grenzgebiet schlugen nach Rundfunkangaben erneut aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen ein.

Beim Beschuss einer Moschee in Scheich Radwan kamen nach palästinensischen Angaben vier Menschen ums Leben. Ein weiterer Palästinenser sei bei einem Angriff auf ein Haus in Seitun gestorben, teilte die Gesundheitsbehörde in Gaza mit. Die Zahl der palästinensischen Todesopfer ist nach Angaben der Behörde seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 27. Dezember auf 675 gestiegen. Weitere 3050 Menschen seien verletzt worden.

Bewegung in diplomatische Bemühungen

Nach tagelangen erfolglosen Gesprächen kam jetzt Bewegung in die internationalen diplomatischen Bemühungen um eine Entschärfung des Konflikts. Der Plan sieht eine zunächst befristete Waffenruhe vor, der Gespräche über eine Lösung des Konflikts folgen sollen. Außerdem soll die Versorgung der Bevölkerung des abgeriegelten Autonomiegebiets ermöglicht werden.

Mubarak stellte die Initiative am späten Dienstagabend auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich vor. Sarkozy begrüßte die Vorschläge Mubaraks. Er sprach von einer "kleinen Hoffung" auf ein Ende der Kämpfe. Er habe bereits mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert über die Vorschläge gesprochen, sagte Sarkozy, der sich zu einer Vermittlungsmission im Nahen Osten aufhält.

Mubarak habe Israel zu Gesprächen über die Sicherheit seiner Grenzen zum Gazastreifen eingeladen, sagte Sarkozy weiter. Die Frage der Grenzsicherheit ist eines der zentralen Anliegen Israels. Durch geheime Tunnel entlang der ägyptischen Grenze hat die Hamas seit ihrer Machtübernahme im Juni 2007 immer wieder Waffen in den Gazastreifen geschmuggelt.

Der Vorstoß wurde international begrüßt, auch vom palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und der scheidenden US-Außenministerin Condoleezza Rice. In Berlin erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier, auf dieser Grundlage müsse es jetzt darum gehen, schnellstmöglich einen Ausweg aus der Gewalt zu finden. (ap/dpa)

Datum:  7 | 1 | 2009
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