Jerusalem. Nach drei Wochen Krieg in Gaza schien am Freitag eine Waffenruhe in Sicht. Die Kämpfe flauten ab, obgleich die Gesamtzahl palästinensischer Todesopfer auf 1133 stieg. Nicht zuletzt, weil erst nach dem Rückzug israelischer Panzertruppen aus Gaza-Stadt 23 weitere Leichen aus den Trümmern geborgen wurden. Zudem hatte die Luftwaffe noch in der Nacht 40 Hamas-Stellungen, darunter Moscheen, bombardiert.
Doch am Morgen flog Israels Unterhändler Amos Gilad erneut nach Kairo, um im Auftrag der Regierung "gewisse Details" der ägyptischen Initiative für eine Waffenruhe zu klären. Außenministerin Zipi Livni traf derweil in Washington ein, wo mit der scheidenden US-Administration ein Memorandum zur Unterbindung des Waffenschmuggels aus Iran unterzeichnet werden sollte. Demnach könnte noch am Wochenende das Sicherheitskabinett in Jerusalem über den von Ägypten vermittelten Waffenstillstand abstimmen. Die Hamas in Gaza signalisierte ebenfalls, man sei zu einer "bedingten Waffenruhe" von Samstag an bereit.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gab sich bei einem Besuch in Ramallah optimistisch: "Wir sind sehr nahe an einem Waffenstillstand." Nur, bekanntermaßen steckt der Teufel im Detail. Die Hamas hat einen einjährigen Waffenstillstand mit der Option der Verlängerung angeboten - Israel indes besteht auf einer Langzeitlösung. Auch verlangt die Hamas einen israelischen Truppenabzug aus Gaza binnen sieben Tagen - Israel findet, dass die Hamas nicht in der Position ist, solche Forderungen zu stellen.
Tatsächlich halten 80 Prozent der Israelis den Krieg in Gaza für "sehr gelungen". Eine satte Mehrheit ist jüngsten Umfragen zufolge dafür, die Operation auszudehnen, bis alle Hamas-Raketen vernichtet seien. Premier Ehud Olmert liebäugelte bislang ebenfalls mit dieser Option, was in der Regierungstroika einigen Dissens schuf. Denn Livni und Verteidigungsminister Ehud Barak wollen den Krieg vor der Amtsübernahme von Barack Obama beenden. Olmert fand diese Rücksicht unnötig, da Obama als neuer US-Präsident so gleich die Chance bekomme, sich als Krisenmanager in Nahost zu profilieren.
Auch die Hamas scheint in Sachen Waffenruhe zwiespältig zu sein. Exilchef Khaled Meschal pries noch am Donnerstagabend den "bevorstehenden Sieg". Da hatte gerade eine israelische Bombe Innenminister Said Siam getötet, den Dritthöchsten innerhalb der Hamas-Hierarchie in Gaza. Ganz anders schätzten Rasi Hamad und Achmed Yousef, zwei eher pragmatische Hamas-Vordenker aus Gaza, die Lage ein. Laut der Zeitung Haaretz warfen sie der Exilführung vor, Gaza in eine Katastrophe zu stürzen.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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